Klimawandel

Meeresatlas: Daten und Fakten über unseren Umgang mit den Ozeanen

Verschiedene Institute, die sich intensiv mit der Meeresforschung auseinandersetzen, haben hier mit der Heinrich-Böll-Stiftung zusammengearbeitet, um dieses Buch – ja, eigentlich müsste man eher sagen – dieses Heft herauszubringen. Es hat DIN A4- Format, und würde es als normales Buch erscheinen, dann wären es deutlich über 100 Seiten. Aber man kann es umsonst erwerben, und da sollte man nicht über Buch oder Heft streiten. Jedenfalls lohnt sich die Anschaffung sehr. Man kann es auch im Internet herunterladen. Der Untertitel lässt ahnen, um was es im Einzelnen geht. Wir gehen nämlich nicht gerade ordentlich mit unseren Ozeanen um, und die meisten machen sich kaum Vorstellungen, was da so alles geschieht. Sicher – die Ozeane sind für die meisten von uns weit weg, und da macht man sich weniger Gedanken. Dabei wäre es sehr angebracht, denn derzeit werden die Meere regelrecht ausgeplündert und wir benutzen sie über Gebühr als Abfalleimer. Dabei stellen sie eigentlich die Lebensgrundlage einer wachsenden Weltbevölkerung dar: Um die Mitte dieses Jahrhunderts werden wir immerhin schon 10 Millionen Menschen sein! Und wie soll das weitergehen?? Dabei gibt es derzeit noch immer keine oberste internationale Behörde, die für den Schutz des gesamten Meeres verantwortlich ist. Die Industrialisierung der Ozeane steht gerade erst am Anfang: Das Bohren nach Erdöl und Erdgas wird umso gefährlicher, je weiter wir nach unten gehen, und obwohl viele Geheimnisse der Tiefsee noch unerforscht sind, soll bereits mit dem Tiefseebergbau begonnen werden. So werden möglicherweise Ökosysteme vernichtet, bevor wir sie kennen gelernt haben. Der Welthunger nach Rohstoffen lässt uns nach Manganknollen, Kobaltkrusten und Schwarzen Rauchern greifen. Wir befinden uns inmitten einer ungeheuren Herausforderung: Einem Klimawandel, der schon jetzt für viele lebensbedrohlich ist. Zwar dämpfen derzeit die Meere diese Gefahr, doch ungeheure Flüchtlingsströme, unter denen wir schon heute leiden, werden nicht nur durch den Krieg in Syrien ausgelöst. Trockenzonen, unter denen die Ärmsten am stärksten leiden, breiten sich aus und zwingen zur Migration. Das gleiche wird geschehen, wenn die Meeresspiegel weiter ansteigen: Immerhin leben schon heute die meisten Menschen in 200 km Küstennähe. Trotzdem werden weiterhin Mangrovensümpfe abgeholzt, damit der Küstenschutz gefährdet. Die Meerestemperatur erhöht sich, Riffe sterben ab, kalkbildende Tiere verlieren lebenswichtige Grundlagen. Das Meer versauert ständig weiter, Überfischung ist längst an der Tagesordnung, die Mikronahrung leidet unter der Versauerung, Fischfarmen und andere Aquakulturen sind ebenfalls noch immer nicht problemlos, Todeszonen entstehen im Mündungsgebiet vieler Flüsse. Durch Staumauern findet in gleichen Gebieten keine ausreichende Sedimentation statt. Müll und Gift landet im Meer, ungeheure Plastikmengen sammeln sich in riesigen subtropischen Wirbeln, und am Mikroplastikproblem gehen nicht nur Vögel zugrunde. In der Tat – wir leben inmitten einer Meereskrise, die ungeheure Probleme aufwirft und allmählich immer stärker in den Blickpunkt rückt. Das Heft beschäftigt sich mit all diesen Krisen und setzt sich mit der Zukunft auseinander, zeigt auch, welchen Einfluss Welthandel und Preiskampf bieten. Die Welt muss gemeinsam handeln, um all diese Probleme gemeinsam zu meistern, und wir alle haben unseren Einfluss dabei geltend zu machen! Packen wir es an!

Wolfgang Freihen, im Juni 2017

Heinrich-Böll-Stiftung:
Meeresatlas
Daten und Fakten über unseren Umgang mit den Ozeanen
Broschiert mit sw. Titelbild, Format DIN A4
50 S. mit sehr vielen farbigen Abb.
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, 2017
Preis: Kostenlos,
der Text auch abrufbar unter http://creativecommons.org/licenses/by/40/de/legalcode

Klima und Mensch – eine 12’000-jährige Geschichte

Jeder, der mehr übers tägliche Wetter und (über 30 Jahre gestreckt) unser Klima erfahren möchte, kommt um dieses Buch nicht herum! Das gilt vor allem angesichts der unabsehbaren Folgen der gegenwärtigen Klimaerwärmung: Versauerung der Meere, Anstieg des Meeresspiegels, dem Kunststoff-Müll- und Mikroplastikproblem, dem Artenschwund und vielem anderen mehr, was unsere nachfolgenden Generationen ganz besonders heftig beschäftigen wird. Heinz Wanner, emeritierter Professor und engagierter Klimaforscher der Universität Bern, Ehrendoktor der Universität Berlin und Inhaber des inoffiziellen Nobelpreises für Geografie, beschreibt in mehreren Teilen die unterschiedlichen Faktoren, die ihren besonderen Einfluss auf das Wetter- und Klimageschehen geltend machen. Da spielt nicht nur die Sonneneinstrahlung eine besondere Rolle, die Schiefe der Ekliptik oder die Umlaufbahn um unser Zentralgestirn, sondern es kommen sehr viele andere Faktoren hinzu, die ebenfalls zu berücksichtigen sind. Es sind auch nicht nur Eiszeiten oder Monsune, El Niños und deren Gegenspieler, sondern teilweise machen selbst geringfügigste Veränderungen ihren Einfluss geltend. Da sind vor allem die Meere, denen wir uns mit diesen Rezensionen besonders verbunden fühlen und die zeigen, wie eng teilweise auseinander liegende Gebiete miteinander verzahnt sind. Es sind deren enorme Oberfläche, die darin gespeicherten Wassermassen, die Eisschilde von Arktis und Antarktis und das globale Zirkulationsnetz aller Meeresströmungen. Ebenso spielt die Atmosphäre eine besondere Rolle, auch die Geographie der Festländer mit den sich ausdehnenden Wüstengebieten, schrumpfenden Urwäldern und hohen Gebirgen. Da wirken sich bedeutende Vulkanausbrüche besonders auf das Wetter und Klima aus, oder es kommen all die anderen, hier nicht besonders herausgehobenen Faktoren hinzu, schließlich auch der von uns Menschen gemachte, anthropogene, zusätzlich erhöhte CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Virtuos greift der Autor alle möglichen, teilweise unter schwierigsten Bedingungen gesammelten Messdaten auf, die im Buch wiedergegeben werden und von vielen Forschern zusammengetragen wurden – beeindruckende Abbildungen! Der Autor „jongliert“ regelrecht mit damit, um die komplizierten Zusammenhänge deutlich zu machen und ein besseres Verständnis für Wetter und Klima zu erzeugen. So entsteht durch Zusammenfügen aller Messkurven eine äußerst wechselvolle Klimageschichte der letzten 12.000 Jahre. Besonders interessierte Leser finden zudem zusätzliche Lehrkästen. Nicht immer lässt sich – vor allem für Nichtmeteorologen – der Text einfach lesen. Zum Teil ist es auch angebracht, ein wenig hin und her zu blättern, um die einzelnen Wechselfälle einwandfrei zu verstehen. Dass das Klimageschehen auch das Verhalten der Menschen, ja ganzer Kulturen beeinflusst, ist ebenso selbstverständlich. Das gilt vor allem bei ausbleibenden Regenfällen und länger währende Trockenzeiten. So werden das Verlassen ganzer Gegenden, Völkerwanderungen und andere Verschiebungen verständlich. „Normale“ Kriege bleiben dagegen unbehandelt. Insgesamt ein außerordentlich interessantes Buch, das nur empfohlen werden kann!

Wolfgang Freihen, im Juni 2017

Wanner, Heinz:
Klima und Mensch
Eine 12‘000-jährige Geschichte
Fester Einband mit farbigen Titelfotos, Format etwa 18 x 24,5 cm
274 S. mit vielen farb. Abb.
Haupt Verl., Bern, 2016
ISBN 978-3-258-07879-3
Preis: 39,90 €

Adieu, Wachstum!: Das Ende einer Erfolgsgeschichte

Endlich ein Buch, auf das ich schon seit langem gewartet habe! Denn es ist kein Umweltbuch im üblichen Sinne, das sich „nur“ dem Klimaproblem widmet, sondern alle Krisen gleichermaßen anspricht, denen wir uns noch in diesem Jahrhundert dringend stellen müssen. Es ist ein Buch, das alle angeht. Norbert Nicoll, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen, der dort zur Nachhaltigen Entwicklung lehrt, zeichnet kein positives Bild unserer Zukunft. Er schildert gleichzeitig mehrere Geschichten, über deren Anfänge und wie diese bis in unsere Zukunft wirken. Alle verlaufen parallel zueinander, wirken teilweise aber auch zusammen und können alle Menschen dieser Erde an den Rand ihrer Existenz bringen. Glücklicherweise sind wir noch nicht so weit und wir können auch einiges dagegen tun: Ob wir allerdings unser Verhalten tatsächlich so grundlegend wie erforderlich verändern, steht in den Sternen: Nun, das 21. Jahrhundert wird es zeigen… Wenn dem nicht so ist, werden sich nachfolgende Generationen fragen, wieso wir die Zukunft so total verschlafen konnten! Man wird unsere Welt von heute und die unserer Politiker mit ganz anderen Augen sehen!
Das Buch bringt uns Fakten aus Ökologie, Ökonomie und Soziologie genauso nahe, wie solche der Geologie, den Geschichts- und Politikwissenschaften. Es birgt eine reichhaltige, kritische Darstellung des Kapitalismus, der immer mehr will und auf ständige Zuwachsraten setzt. Aber diese Vorstellung muss ganz einfach zugrunde gehen! Es kann nicht ewig so weitergehen wie bisher, und es führt auch zu nichts, auf zukünftige Innovationen hoffen, die dann möglicherweise ausbleiben. So zeichnet der Autor eine eindrucksvolle Negativbilanz von Umweltzerstörung, Ressourcenverbrauch und sozialer Spaltung. Unser Denken muss wieder bodenständiger werden! Es geht auch nicht an, dass weiterhin nur ein kleiner Teil das Maximum des Kapitals für sich allein in Anspruch nimmt. Für die Ernährung zählt nur das, was nachwachsen kann. Wir haben nur diese eine Erde! Wir müssen deshalb lernen, dass Kohle und Öl, aber auch alle anderen Ressourcen endlicher Natur sind. Ebenso müssen wir lernen, nicht weiter auf Kosten anderer zu leben. Die Demokratie und unser freiheitliches Denken werden wohl bleiben, allerdings anders als wir sie heute kennen. Wir müssen lernen, mit anderen Kulturen besser zusammenzuleben, denn wir alle sind Bürger dieser, unserer einzigen Welt… Dafür müssen wir die Klima- und die Energiekrise, die sich schon bald sehr viel stärker zeigen werden, ebenso meistern wie die weltweite Atomkrise. Unsere Wegwerfgesellschaft muss sich ändern, und das größte Artensterben ist auszubremsen, das die Erde je erlebt hat. Wir müssen lernen, mit steigenden Temperaturen, dem Problem des Trinkwassers, denen der (Ur)Wälder, der Fruchtbarkeit der Böden und dem Steigen des Meeresspiegels zurechtzukommen, auch mit der Überfischung der Meere und dem Plastikmüllproblem. Die Ozeane, die ¾ unserer Erdoberfläche ausmachen, spielen also eine ganz besondere Rolle. Das einzige Problem, mit dem ich absolut nicht einverstanden bin, ist das des Bevölkerungszuwachses auf unserer Erde: Je mehr Menschen, desto schneller und desto stärker werden sich alle anderen Krisen auswirken und desto mehr Lebensräume werden vernichtet. Dabei gilt es, alle Krisen möglichst bald zu lösen – in der Tat, absolut keine Kleinigkeit!!
Insgesamt ein großartiges Buch, das uns eine nachhaltige Entwicklung lehren kann, das möglichst viele lesen sollten, auch wenn das kleine Schriftbild den einen oder anderen dabei stören mag. Ebenso wäre Stichwortverzeichnis am Ende des Buches sehr sinnvoll gewesen.

Wolfgang Freihen, im Januar 2017

Norbert Nicoll:
Adieu, Wachstum!
Das Ende einer Erfolgsgeschichte
Broschiert mit ausfaltbarem, farbigem Titel, Format ca. 15,8×22,5 cm
431 S. mit einigen Abb.
Tectum Verlag, Marburg, 2016
ISBN 978-3-8288-3736-2
Preis: 18,95 €

Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima

Es ist kein Tauch- oder UW-Buch, das ich dieses Mal vorstelle, sondern ein Umweltbuch, das sich mit dem Klimawandel auseinandersetzt – eines der bemerkenswertesten Bücher zu diesem Thema überhaupt. Ich kann es nicht warm genug empfehlen, denn dieses Thema betrifft jeden einzelnen von uns, und zwar weltweit! Wichtig dabei, dass dieser Wandel durch die Verbrennung fossiler Energieträger und das dabei anfallende CO2 hervorgerufen wird. Ohne Zweifel ist der Klimawandel damit anthropogener Natur, wird durch uns selbst verursacht, und deshalb können wir ihm auch nur selbst entgegenwirken, indem wir den weiteren ungebremsten CO2-Austoß durch entsprechende Maßnahmen unterbinden. Sollten wir das nicht schaffen, wird sich unser Leben, wie wir es heute kennen, total verändern, und der Klimawandel wird sich zur größten Herausforderung entwickeln, der sich die Menschheit je gegenübergesehen hat. Weiterlesen “Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima” »