Umwelt

Der nachhaltige Umgang mit unseren Meeren – von der Idee zur Strategie

Der vierte Teil von „Mit den Meeren leben“, einer Publikation über den Zustand der Ozeane, wobei jeweils der aktuelle Stand der Wissenschaft wiedergegeben wird. Es ist eine Kooperation der Kieler Wissenschaften, des „Ozean der Zukunft“, des „GEOMAR- Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel, des „International Ozean Institute“, das aus einem Netzwerk verschiedener Niederlassungen besteht und der Zeitschrift „mare“. Wie bei den Vorgängerausgaben ist auch dieser Band sehr sorgfältig und gewissenhaft ausgearbeitet. Es geht sogar so weit, dass sämtliche Institutionen und Behörden (einschließlich ihrer Abkürzungen) wiedergegeben werden – selbst wenn sie sich teilweise beim Meeresschutz gegenseitig behindern. Das Buch enthält vier umfangreiche Kapitel, danach eine kurze Zusammenfassung, ein Verzeichnis der Mitarbeiter, einen Index, ein Quellenverzeichnis und eines der verwendeten Abkürzungen. Die einzelnen Kapitel sind mit passenden Farbfotos, Graphiken, Tabellen und Landkarten versehen. Dabei werden auch besondere Leistungen und Gefahren in farbig unterlegten Infokästen zusammengefasst. Das Ganze ist systematisch gegliedert und reicht von den „Konzepten für eine bessere Welt“ zu dem, „Was das Meer zu leisten vermag“ und den politischen Schwierigkeiten, bis hin zu einer „Hoffnung für den Ozean“. Nicht gefallen hat mir lediglich die Abbildung auf S. 64, der Computeranimation eines Rotfeuerfisches aus dem Roten Meer. Meiner Meinung nach hätte man hier besser zu einer authentischen, nicht vervielfachten UW-Fotografie gegriffen, die zu der ansonsten fachlich außerordentlich sorgfältigen Ausarbeitung besser gepasst hätte… Insgesamt jedoch ein hervorragendes Buch, das jedem, dem die UW-Welt am Herzen liegt, unbedingt zu empfehlen ist. Sehr schön auch, dass das Buch kostenlos erhältlich ist.

Wolfgang Freihen, im Oktober 2017

World Ocean Review, Band Nr. 4:
Der nachhaltige Umgang mit unseren Meeren –
von der Idee zur Strategie
Broschiert mit farbigem Titel, Größe ca. 21,2 x 28 cm
152 S. mit vielen farbigen Abb., Karten, Graphiken und Tabellen
Herausgeber: maribus GmbH, Hamburg, mit anderen, 2015
ISBN 978-3-86648-254-4
Kostenlos

Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Band Nr. 3 von „Mit den Meeren leben“, einer Publikation über den Zustand der Meere, die in fast jährlichem Rhythmus erscheint und jeweils dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht. Es ist eine Publikation der Kieler Meereswissenschaften, dem „Ozean der Zukunft“, dem „GEOMAR“ des Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung, der Zeitschrift „mare“ und dem „International Ocean Institute“, das aus einem Netzwerk verschiedener Niederlassungen besteht. Auch dieser Band ist sehr sorgfältig ausgearbeitet und besteht aus 4 Kapiteln: „Öl und Gas aus dem Meer“, „Tagebau am Meeresgrund“, „Energie aus brennendem Eis“ und „Umweltschonende Förderung und gerechte Verteilung“, wobei die einzelnen Kapitel jeweils in einem Conclusio enden. Auch bei diesem Band werden die einzelnen Kapitel von farbigen Abbildungen, Graphiken, Tabellen und Landkarten begleitet. Das Buch ist so gehalten, dass auch Laien es gut lesen können. Wichtige Zusammenhänge werden in besonderen, farbig unterlegten Infokästen dargelegt, moderne Techniken werden ebenso vorgestellt wie auch katastrophale Unfälle. Der Anhang enthält ein Gesamt-Conclusio, ein Glossar, ein Verzeichnis verwendeter Abkürzungen, ebenso eines der mitarbeitenden Autoren, ein umfangreiches Quellenverzeichnis und natürlich auch einen Index zum Auffinden entsprechender Zusammenhänge. Insgesamt ein Buch, das sich wie seine Vorgänger durch seine besondere Sorgfalt auszeichnet. Äußerst empfehlenswert, wobei auch hier auf die kostenlose Lieferung hingewiesen werden muss.

Wolfgang Freihen, im Oktober 2017

World Ocean Review, Band Nr. 3:
Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken
Broschiert mit farbigem Titel, Größe ca. 21,2 x 28 cm
164 S. mit vielen farbigen Fotos, Graphiken, Landkarten und Tabellen
maribus in Kooperation mit anderen, Hamburg, 2014
ISBN 978-3-86648-220-3
Kostenlos

Der Ozean ist unsere Zukunft – Kieler Meeresforscher auf Zeitreise ins Jahr 2100

Ein sehr schönes Umweltbuch, ein Exzellenzcluster des Forschungsverbundes von über 250 Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, des GEOMAR, des Instituts für Weltwirtschaft und der Muthesius-Kunsthochschule. Sehr lesenswert mit sehr interessanten 17 Kapiteln und reizvollen Zeichnungen. Das Buch beschäftigt sich mit der Meinung verschiedener Meeresforscher und Meteorologen, wie unsere Umwelt voraussichtlich im Jahr 2100 aussehen wird. Es ist überwiegend positiv geschrieben, denn niemand möchte und kann sich vorstellen, dass wir einfach so weitermachen wie bisher. Allerdings haben sich in der Zwischenzeit, erst fünf Jahre nach Erscheinen des Buches, die Probleme nicht etwa verringert. Wir wissen auch, dass Deutschland und verschiedene andere Industrienationen ihre selbstgesteckten Klimaziele nicht erreichen werden. Auch anderes ist geschehen, was sich nicht gerade vorteilhaft anhört. Trotzdem ein Buch, das sehr lesenswert ist, da die Zusammenhänge und Widrigkeiten sehr gut erklärt werden. Sehr schön schließlich, dass das Buch kostenlos bestellt werden kann.

Wolfgang Freihen, im Oktober 2017

Christian-Albrechts-Universität:
Der Ozean ist unsere Zukunft
Kieler Meeresforscher auf Zeitreise ins Jahr 2100
Broschiert mit ausfaltbarem, farbigem Umschlag, Format ca. 20 x 24,5 cm
92 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen
Christian-Albrechts-Universität, Kiel, 2012 oder presse@ozean-der-zukunft.de
ISBN 978-3-00-036812-7
Kostenlos

Meeresatlas: Daten und Fakten über unseren Umgang mit den Ozeanen

Verschiedene Institute, die sich intensiv mit der Meeresforschung auseinandersetzen, haben hier mit der Heinrich-Böll-Stiftung zusammengearbeitet, um dieses Buch – ja, eigentlich müsste man eher sagen – dieses Heft herauszubringen. Es hat DIN A4- Format, und würde es als normales Buch erscheinen, dann wären es deutlich über 100 Seiten. Aber man kann es umsonst erwerben, und da sollte man nicht über Buch oder Heft streiten. Jedenfalls lohnt sich die Anschaffung sehr. Man kann es auch im Internet herunterladen. Der Untertitel lässt ahnen, um was es im Einzelnen geht. Wir gehen nämlich nicht gerade ordentlich mit unseren Ozeanen um, und die meisten machen sich kaum Vorstellungen, was da so alles geschieht. Sicher – die Ozeane sind für die meisten von uns weit weg, und da macht man sich weniger Gedanken. Dabei wäre es sehr angebracht, denn derzeit werden die Meere regelrecht ausgeplündert und wir benutzen sie über Gebühr als Abfalleimer. Dabei stellen sie eigentlich die Lebensgrundlage einer wachsenden Weltbevölkerung dar: Um die Mitte dieses Jahrhunderts werden wir immerhin schon 10 Millionen Menschen sein! Und wie soll das weitergehen?? Dabei gibt es derzeit noch immer keine oberste internationale Behörde, die für den Schutz des gesamten Meeres verantwortlich ist. Die Industrialisierung der Ozeane steht gerade erst am Anfang: Das Bohren nach Erdöl und Erdgas wird umso gefährlicher, je weiter wir nach unten gehen, und obwohl viele Geheimnisse der Tiefsee noch unerforscht sind, soll bereits mit dem Tiefseebergbau begonnen werden. So werden möglicherweise Ökosysteme vernichtet, bevor wir sie kennen gelernt haben. Der Welthunger nach Rohstoffen lässt uns nach Manganknollen, Kobaltkrusten und Schwarzen Rauchern greifen. Wir befinden uns inmitten einer ungeheuren Herausforderung: Einem Klimawandel, der schon jetzt für viele lebensbedrohlich ist. Zwar dämpfen derzeit die Meere diese Gefahr, doch ungeheure Flüchtlingsströme, unter denen wir schon heute leiden, werden nicht nur durch den Krieg in Syrien ausgelöst. Trockenzonen, unter denen die Ärmsten am stärksten leiden, breiten sich aus und zwingen zur Migration. Das gleiche wird geschehen, wenn die Meeresspiegel weiter ansteigen: Immerhin leben schon heute die meisten Menschen in 200 km Küstennähe. Trotzdem werden weiterhin Mangrovensümpfe abgeholzt, damit der Küstenschutz gefährdet. Die Meerestemperatur erhöht sich, Riffe sterben ab, kalkbildende Tiere verlieren lebenswichtige Grundlagen. Das Meer versauert ständig weiter, Überfischung ist längst an der Tagesordnung, die Mikronahrung leidet unter der Versauerung, Fischfarmen und andere Aquakulturen sind ebenfalls noch immer nicht problemlos, Todeszonen entstehen im Mündungsgebiet vieler Flüsse. Durch Staumauern findet in gleichen Gebieten keine ausreichende Sedimentation statt. Müll und Gift landet im Meer, ungeheure Plastikmengen sammeln sich in riesigen subtropischen Wirbeln, und am Mikroplastikproblem gehen nicht nur Vögel zugrunde. In der Tat – wir leben inmitten einer Meereskrise, die ungeheure Probleme aufwirft und allmählich immer stärker in den Blickpunkt rückt. Das Heft beschäftigt sich mit all diesen Krisen und setzt sich mit der Zukunft auseinander, zeigt auch, welchen Einfluss Welthandel und Preiskampf bieten. Die Welt muss gemeinsam handeln, um all diese Probleme gemeinsam zu meistern, und wir alle haben unseren Einfluss dabei geltend zu machen! Packen wir es an!

Wolfgang Freihen, im Juni 2017

Heinrich-Böll-Stiftung:
Meeresatlas
Daten und Fakten über unseren Umgang mit den Ozeanen
Broschiert mit sw. Titelbild, Format DIN A4
50 S. mit sehr vielen farbigen Abb.
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, 2017
Preis: Kostenlos,
der Text auch abrufbar unter http://creativecommons.org/licenses/by/40/de/legalcode

Klima und Mensch – eine 12’000-jährige Geschichte

Jeder, der mehr übers tägliche Wetter und (über 30 Jahre gestreckt) unser Klima erfahren möchte, kommt um dieses Buch nicht herum! Das gilt vor allem angesichts der unabsehbaren Folgen der gegenwärtigen Klimaerwärmung: Versauerung der Meere, Anstieg des Meeresspiegels, dem Kunststoff-Müll- und Mikroplastikproblem, dem Artenschwund und vielem anderen mehr, was unsere nachfolgenden Generationen ganz besonders heftig beschäftigen wird. Heinz Wanner, emeritierter Professor und engagierter Klimaforscher der Universität Bern, Ehrendoktor der Universität Berlin und Inhaber des inoffiziellen Nobelpreises für Geografie, beschreibt in mehreren Teilen die unterschiedlichen Faktoren, die ihren besonderen Einfluss auf das Wetter- und Klimageschehen geltend machen. Da spielt nicht nur die Sonneneinstrahlung eine besondere Rolle, die Schiefe der Ekliptik oder die Umlaufbahn um unser Zentralgestirn, sondern es kommen sehr viele andere Faktoren hinzu, die ebenfalls zu berücksichtigen sind. Es sind auch nicht nur Eiszeiten oder Monsune, El Niños und deren Gegenspieler, sondern teilweise machen selbst geringfügigste Veränderungen ihren Einfluss geltend. Da sind vor allem die Meere, denen wir uns mit diesen Rezensionen besonders verbunden fühlen und die zeigen, wie eng teilweise auseinander liegende Gebiete miteinander verzahnt sind. Es sind deren enorme Oberfläche, die darin gespeicherten Wassermassen, die Eisschilde von Arktis und Antarktis und das globale Zirkulationsnetz aller Meeresströmungen. Ebenso spielt die Atmosphäre eine besondere Rolle, auch die Geographie der Festländer mit den sich ausdehnenden Wüstengebieten, schrumpfenden Urwäldern und hohen Gebirgen. Da wirken sich bedeutende Vulkanausbrüche besonders auf das Wetter und Klima aus, oder es kommen all die anderen, hier nicht besonders herausgehobenen Faktoren hinzu, schließlich auch der von uns Menschen gemachte, anthropogene, zusätzlich erhöhte CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Virtuos greift der Autor alle möglichen, teilweise unter schwierigsten Bedingungen gesammelten Messdaten auf, die im Buch wiedergegeben werden und von vielen Forschern zusammengetragen wurden – beeindruckende Abbildungen! Der Autor „jongliert“ regelrecht mit damit, um die komplizierten Zusammenhänge deutlich zu machen und ein besseres Verständnis für Wetter und Klima zu erzeugen. So entsteht durch Zusammenfügen aller Messkurven eine äußerst wechselvolle Klimageschichte der letzten 12.000 Jahre. Besonders interessierte Leser finden zudem zusätzliche Lehrkästen. Nicht immer lässt sich – vor allem für Nichtmeteorologen – der Text einfach lesen. Zum Teil ist es auch angebracht, ein wenig hin und her zu blättern, um die einzelnen Wechselfälle einwandfrei zu verstehen. Dass das Klimageschehen auch das Verhalten der Menschen, ja ganzer Kulturen beeinflusst, ist ebenso selbstverständlich. Das gilt vor allem bei ausbleibenden Regenfällen und länger währende Trockenzeiten. So werden das Verlassen ganzer Gegenden, Völkerwanderungen und andere Verschiebungen verständlich. „Normale“ Kriege bleiben dagegen unbehandelt. Insgesamt ein außerordentlich interessantes Buch, das nur empfohlen werden kann!

Wolfgang Freihen, im Juni 2017

Wanner, Heinz:
Klima und Mensch
Eine 12‘000-jährige Geschichte
Fester Einband mit farbigen Titelfotos, Format etwa 18 x 24,5 cm
274 S. mit vielen farb. Abb.
Haupt Verl., Bern, 2016
ISBN 978-3-258-07879-3
Preis: 39,90 €

Adieu, Wachstum!: Das Ende einer Erfolgsgeschichte

Endlich ein Buch, auf das ich schon seit langem gewartet habe! Denn es ist kein Umweltbuch im üblichen Sinne, das sich „nur“ dem Klimaproblem widmet, sondern alle Krisen gleichermaßen anspricht, denen wir uns noch in diesem Jahrhundert dringend stellen müssen. Es ist ein Buch, das alle angeht. Norbert Nicoll, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen, der dort zur Nachhaltigen Entwicklung lehrt, zeichnet kein positives Bild unserer Zukunft. Er schildert gleichzeitig mehrere Geschichten, über deren Anfänge und wie diese bis in unsere Zukunft wirken. Alle verlaufen parallel zueinander, wirken teilweise aber auch zusammen und können alle Menschen dieser Erde an den Rand ihrer Existenz bringen. Glücklicherweise sind wir noch nicht so weit und wir können auch einiges dagegen tun: Ob wir allerdings unser Verhalten tatsächlich so grundlegend wie erforderlich verändern, steht in den Sternen: Nun, das 21. Jahrhundert wird es zeigen… Wenn dem nicht so ist, werden sich nachfolgende Generationen fragen, wieso wir die Zukunft so total verschlafen konnten! Man wird unsere Welt von heute und die unserer Politiker mit ganz anderen Augen sehen!
Das Buch bringt uns Fakten aus Ökologie, Ökonomie und Soziologie genauso nahe, wie solche der Geologie, den Geschichts- und Politikwissenschaften. Es birgt eine reichhaltige, kritische Darstellung des Kapitalismus, der immer mehr will und auf ständige Zuwachsraten setzt. Aber diese Vorstellung muss ganz einfach zugrunde gehen! Es kann nicht ewig so weitergehen wie bisher, und es führt auch zu nichts, auf zukünftige Innovationen hoffen, die dann möglicherweise ausbleiben. So zeichnet der Autor eine eindrucksvolle Negativbilanz von Umweltzerstörung, Ressourcenverbrauch und sozialer Spaltung. Unser Denken muss wieder bodenständiger werden! Es geht auch nicht an, dass weiterhin nur ein kleiner Teil das Maximum des Kapitals für sich allein in Anspruch nimmt. Für die Ernährung zählt nur das, was nachwachsen kann. Wir haben nur diese eine Erde! Wir müssen deshalb lernen, dass Kohle und Öl, aber auch alle anderen Ressourcen endlicher Natur sind. Ebenso müssen wir lernen, nicht weiter auf Kosten anderer zu leben. Die Demokratie und unser freiheitliches Denken werden wohl bleiben, allerdings anders als wir sie heute kennen. Wir müssen lernen, mit anderen Kulturen besser zusammenzuleben, denn wir alle sind Bürger dieser, unserer einzigen Welt… Dafür müssen wir die Klima- und die Energiekrise, die sich schon bald sehr viel stärker zeigen werden, ebenso meistern wie die weltweite Atomkrise. Unsere Wegwerfgesellschaft muss sich ändern, und das größte Artensterben ist auszubremsen, das die Erde je erlebt hat. Wir müssen lernen, mit steigenden Temperaturen, dem Problem des Trinkwassers, denen der (Ur)Wälder, der Fruchtbarkeit der Böden und dem Steigen des Meeresspiegels zurechtzukommen, auch mit der Überfischung der Meere und dem Plastikmüllproblem. Die Ozeane, die ¾ unserer Erdoberfläche ausmachen, spielen also eine ganz besondere Rolle. Das einzige Problem, mit dem ich absolut nicht einverstanden bin, ist das des Bevölkerungszuwachses auf unserer Erde: Je mehr Menschen, desto schneller und desto stärker werden sich alle anderen Krisen auswirken und desto mehr Lebensräume werden vernichtet. Dabei gilt es, alle Krisen möglichst bald zu lösen – in der Tat, absolut keine Kleinigkeit!!
Insgesamt ein großartiges Buch, das uns eine nachhaltige Entwicklung lehren kann, das möglichst viele lesen sollten, auch wenn das kleine Schriftbild den einen oder anderen dabei stören mag. Ebenso wäre Stichwortverzeichnis am Ende des Buches sehr sinnvoll gewesen.

Wolfgang Freihen, im Januar 2017

Norbert Nicoll:
Adieu, Wachstum!
Das Ende einer Erfolgsgeschichte
Broschiert mit ausfaltbarem, farbigem Titel, Format ca. 15,8×22,5 cm
431 S. mit einigen Abb.
Tectum Verlag, Marburg, 2016
ISBN 978-3-8288-3736-2
Preis: 18,95 €

Eine Bewegung kann man nicht zerstören: Im Gespräch mit Captain Paul Watson

Nicht nur dicke Folianten, auch dünnere Bücher können gehaltvoll sein und einen wach rütteln! So wie hier, einem Interview mit dem wohl bedeutendsten Meeresschützer unserer Zeit, Captain Paul Watson, der sagt: „Man kann ein Individuum zugrunde richten und eine Organisation zerschlagen, aber eine Bewegung kann man nicht zerstören.“ Diese Aussage wurde zum ungewöhnlichen Titel dieses Buches. Als Mitbegründer von Greenpeace rief er 1977 die Meeresschutzorganisation „Sea Shepherd Conservation Society“ ins Leben, der mehrere Landesorganisationen und viele tausend Mitglieder angehören. Mittlerweile gab es über 200 heikle Einsätze, wobei es insbesondere darum ging, den illegalen Fischfang und die Waljagd zu bekämpfen, aber ebenso auch um andere Schutzmaßnahmen. Sein Kampf geht weiter und durch seine kompromisslosen, aggressiven Einsätze wurde Watson zur Symbolfigur vieler Aktivisten. Besonders gut in Erinnerung das riskante Rammen eines illegalen Walfängers oder die längste Verfolgungsjagd der Seefahrtsgeschichte, wodurch gleich sechs Wilderer-Schiffe auf einmal ihren illegalen Fischfang aufgeben mussten… Solche Episoden führten immer wieder zu internationalen Komplikationen, zeigen aber auch das totale Versagen staatlicher Behörden auf, weshalb effektiver Meeresschutz in Zukunft unbedingt länderübergreifend geregelt werden muss. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt der Artenvielfalt und das Überleben des äußerst empfindlichen Ozean-Ökosystems, sondern letztlich vor allem um uns selbst, denn: Stirbt das Meer, stirbt auch der Mensch!
Wir befinden uns – wenn auch zumeist unbemerkt – in einer äußerst komplizierten Übergangsphase mit einer ganzen Reihe von Krisen, die parallel zueinander verlaufen und die allesamt ihrer Lösung harren. So kennen wir z.B. alle das CO2-Problem und die weltweite Klimaerwärmung, wie auch zahlreiche andere Probleme, zu denen das Buch Interessantes zu berichten hat und auch Zahlen nennt. Doch es kommt noch ärger: Denn bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden rund 50% aller gegenwärtig existierenden Arten für immer verschwinden. Gleichzeitig wächst die Erdbevölkerung unaufhörlich weiter. So werden wir bald 9 Milliarden Menschen sein. Dabei verbrauchen wir schon jetzt deutlich mehr als auf unserer Erde nachwachsen kann! Was die Meere anbelangt, so sind mittlerweile schon 90% (!) aller Fischbestände aus den Ozeanen verschwunden. Trotz der noch immer zu fangenden Mengen sind bereits 30% der genutzten Fischbestände überfischt, 57% befinden sich an der Grenze. Rund 50% erweisen sich als unerwünschter Beifang und allein 40% aller Meeresfische werden an Haustiere verfüttert. Bis Mitte des Jahrhunderts werden auch die letzten 10% weg sein. Trotzdem werden weiterhin Fabrikschiffe, die Fischerei und der damit verbundene ungeheure technischen Aufwand weltweit mit jährlich 67 Milliarden Dollar subventioniert. Watson empfiehlt, die Fischerei auf deutlich niedrigerem Niveau zu halten und diese Subventionen für wichtigere Dinge einzusetzen. So können sich die Meere aus sich selbst heraus regenerieren. Andersherum bedeuten derartige Massensterben allerdings auch nicht das Ende unseres Planeten, mit Sicherheit aber das der Menschheit!
Ebenfalls gingen seit 1950 rund 40% des Phytoplanktons verloren – eine Situation, an die kaum einer denkt. Dabei produziert dieses pflanzliche Plankton allein 50% unseres Sauerstoffs. Um es zu ernähren, wären u.a. die Exkremente von Walen außerordentlich hilfreich, womit sich der Kreis wieder schließt: In der Vergangenheit wurden immerhin 90% dieser Tiere ausgelöscht, und noch heute gehen einige Nationen, vor allem aber Japaner diesem abwegigen Gewerbe nach! Dabei scheiden alleine Blauwale z.B. drei Tonnen an Exkremente pro Tag aus. Insgesamt haben wir es hier mit einem sehr interessanten Buch zu tun, das eigentlich jeder haben und auch lesen sollte!

Wolfgang Freihen, im November 2016

Sciurba, Michele / Schuster, Sarah:
Eine Bewegung kann man nicht zerstören
Ein Interview „Im Gespräch mit Paul Watson“
Broschiert mit farbigem Titelbild, Format ca. 15,5 x 23,5 cm
124 S. mit vielen farb. Abb.
Edition Faust, Frankfurt/Main, 2016
ISBN 978-3-945400-38-8
Preis: 24.– €

Antarktische Wildnis: Südgeorgien

Die beiden Autoren sind miteinander verheiratet, befahren seit 25 Jahren die Weltmeere mit ihrem nur 9,30 Meter „großen“ Segelboot. So sind sie zum wiederholten Male nach Südgeorgien gekommen, wo sie diesmal für ein ganzes Jahr bleiben wollen, auch über die Winterzeit hinweg. Daraus wurden insgesamt 26 Monate – eine großartige Angelegenheit, denn es gehört schon eine Menge dazu, in dieser Abgeschiedenheit auf sich alleine gestellt bei niedrigen, oft eisigen Temperaturen, stürmischen und unwirtlichen Wetterunbilden zurechtzukommen! Weiterlesen “Antarktische Wildnis: Südgeorgien” »

Das ABC der Fischkrankheiten: Erklären – Erkennen – Behandeln

Das Buch richtet sich an alle, die beruflich oder in ihrer Freizeit mit Fischen und Krebsen zu tun haben, vor allem aber wendet es sich an Fischzüchter, Tierärzte, Biologen und Gewässerbewirtschafter. Auch für Aquarianer und Tauchsportler ist es zu empfehlen, die vorwiegend in heimischen Gewässern ihrem Sport nachgehen und mitunter gar in Fischzuchtanstalten tauchen dürfen. Weiterlesen “Das ABC der Fischkrankheiten: Erklären – Erkennen – Behandeln” »

Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima

Es ist kein Tauch- oder UW-Buch, das ich dieses Mal vorstelle, sondern ein Umweltbuch, das sich mit dem Klimawandel auseinandersetzt – eines der bemerkenswertesten Bücher zu diesem Thema überhaupt. Ich kann es nicht warm genug empfehlen, denn dieses Thema betrifft jeden einzelnen von uns, und zwar weltweit! Wichtig dabei, dass dieser Wandel durch die Verbrennung fossiler Energieträger und das dabei anfallende CO2 hervorgerufen wird. Ohne Zweifel ist der Klimawandel damit anthropogener Natur, wird durch uns selbst verursacht, und deshalb können wir ihm auch nur selbst entgegenwirken, indem wir den weiteren ungebremsten CO2-Austoß durch entsprechende Maßnahmen unterbinden. Sollten wir das nicht schaffen, wird sich unser Leben, wie wir es heute kennen, total verändern, und der Klimawandel wird sich zur größten Herausforderung entwickeln, der sich die Menschheit je gegenübergesehen hat. Weiterlesen “Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima” »