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Plankton: Der erstaunliche Mikrokosmos der Ozeane

Phantastisch! Endlich ein Sachbuch, das Seinesgleichen sucht! Es gibt eine ganze Reihe wissenschaftlicher Werke, die sich ausschließlich dem Plankton widmen, aber bisher kein einziges, das für die Allgemeinheit bestimmt ist und entsprechende Erklärungen bereithält. Hier ist es nun – großformatig und mit vielen hervorragenden, computergenerierten Farbfotos versehen. Es kann deshalb auch als Bildband betrachtet werden. Dabei auch einige der großartigen Zeichnungen von Ernst Haeckel. Ja, wir finden sogar ein Suchbild, um beim Blick auf eine Planktonprobe verschiedene Organismen zu erkennen, und wir können durch zahlreiche Icoons zusätzliche Webseiten mit weiteren Informationen aufzuschlagen. Hinzu kommen sehr interessante Texte, nicht nur Bildbeschreibungen, sondern auch Kapitel, die sich mit all den Wesen auseinandersetzen, die dem Plankton zugehörig sind. Allerdings sind die Texte nicht immer leicht zu lesen, was jedoch nicht negativ zu verstehen ist. Nur der kleinste Teil der Planktonorganismen kann natürlich bildlich dargestellt werden. Insgesamt macht das Plankton, selbst wenn man die meisten Organismen wegen ihrer Winzigkeit nicht sehen kann, 95% des gesamten Lebens im Meer aus. Das Buch beschäftigt sich mit der Entstehung des Lebens und dem Plankton weltweit. Ihm gehören die meisten Organismen des Meeres zumindest zeitweilig an. Plankton besteht aus Eiern von Fischen und Korallen ebenso, wie den Jugendstadien der verschiedensten Tierklassen und selbst größeren Tieren, wie etwa Quallen. Darunter auch diejenige, der man bislang als einzigem Organismus Unsterblichkeit zuschreibt, da sich ihre Entwicklung umkehren kann – von einer Meduse zurück zum Polypen. Manche, wie etwa Staatsquallen, können aber auch über 30 Meter lang werden. Die meisten anderen allerdings sind so winzig, wie etwa Bakterien und viele andere, dass man sie nicht ohne Mikroskop erkennen kann. Schließlich gehört auch das pflanzliche Plankton dazu, welches immerhin rund 50% unseres Luftsauerstoffs produziert.
Unter dem Begriff Plankton versteht man all jene Organismen, die aus eigener Kraft nicht gegen Strömungen anschwimmen können, sondern sich vom Wasser dahintreiben lassen. Es kann auch nicht in der Tiefsee existieren, sondern kommt nur in den lichtdurchflutenden Zonen des Meeres vor. Es stellt die ersten Stufen der Nahrungskette dar, und das tierische Plankton unternimmt tagtäglich zur Nachtzeit die bedeutendsten Tierwanderungen überhaupt. Treten – wie gegenwärtig – Änderungen durch den Chemismus des Meeres, den Klimawandel und/oder der Überfischung auf, so kann dies unabsehbare Folgen nach sich ziehen. Es ist also durchaus angebracht, diesen Organismen deutlich mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. Manche Arten verlassen beim Älterwerden das Plankton wieder und leben erwachsen am Grund oder im Freiwasser weiter. Abgestorbene Teile sinken als „Meeresschnee“ nach unten und dienen auf diese Weise z.T. auch Tiefseeorganismen als Nahrung, und weitere Reste davon wandeln sich im Laufe von Jahrmillionen zu besonderen Energieformen um oder werden gar zu festem Gestein. Ein großartiges Buch, das alle Freunde der UW-Welt besitzen sollten!

Wolfgang Freihen, im April 2017

Sardet, Christian:
Plankton
Der erstaunliche Mikrokosmos der Ozeane
Harter Einband mit farbigem Titel und farbigem Schutzumschlag
Format ca. 25 x 34 cm
Mit sehr vielen farbigen Abb.
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 2016
ISBN 978-3-8001-0398-0
Preis: 39,90 €

Eine Bewegung kann man nicht zerstören: Im Gespräch mit Captain Paul Watson

Nicht nur dicke Folianten, auch dünnere Bücher können gehaltvoll sein und einen wach rütteln! So wie hier, einem Interview mit dem wohl bedeutendsten Meeresschützer unserer Zeit, Captain Paul Watson, der sagt: „Man kann ein Individuum zugrunde richten und eine Organisation zerschlagen, aber eine Bewegung kann man nicht zerstören.“ Diese Aussage wurde zum ungewöhnlichen Titel dieses Buches. Als Mitbegründer von Greenpeace rief er 1977 die Meeresschutzorganisation „Sea Shepherd Conservation Society“ ins Leben, der mehrere Landesorganisationen und viele tausend Mitglieder angehören. Mittlerweile gab es über 200 heikle Einsätze, wobei es insbesondere darum ging, den illegalen Fischfang und die Waljagd zu bekämpfen, aber ebenso auch um andere Schutzmaßnahmen. Sein Kampf geht weiter und durch seine kompromisslosen, aggressiven Einsätze wurde Watson zur Symbolfigur vieler Aktivisten. Besonders gut in Erinnerung das riskante Rammen eines illegalen Walfängers oder die längste Verfolgungsjagd der Seefahrtsgeschichte, wodurch gleich sechs Wilderer-Schiffe auf einmal ihren illegalen Fischfang aufgeben mussten… Solche Episoden führten immer wieder zu internationalen Komplikationen, zeigen aber auch das totale Versagen staatlicher Behörden auf, weshalb effektiver Meeresschutz in Zukunft unbedingt länderübergreifend geregelt werden muss. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt der Artenvielfalt und das Überleben des äußerst empfindlichen Ozean-Ökosystems, sondern letztlich vor allem um uns selbst, denn: Stirbt das Meer, stirbt auch der Mensch!
Wir befinden uns – wenn auch zumeist unbemerkt – in einer äußerst komplizierten Übergangsphase mit einer ganzen Reihe von Krisen, die parallel zueinander verlaufen und die allesamt ihrer Lösung harren. So kennen wir z.B. alle das CO2-Problem und die weltweite Klimaerwärmung, wie auch zahlreiche andere Probleme, zu denen das Buch Interessantes zu berichten hat und auch Zahlen nennt. Doch es kommt noch ärger: Denn bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden rund 50% aller gegenwärtig existierenden Arten für immer verschwinden. Gleichzeitig wächst die Erdbevölkerung unaufhörlich weiter. So werden wir bald 9 Milliarden Menschen sein. Dabei verbrauchen wir schon jetzt deutlich mehr als auf unserer Erde nachwachsen kann! Was die Meere anbelangt, so sind mittlerweile schon 90% (!) aller Fischbestände aus den Ozeanen verschwunden. Trotz der noch immer zu fangenden Mengen sind bereits 30% der genutzten Fischbestände überfischt, 57% befinden sich an der Grenze. Rund 50% erweisen sich als unerwünschter Beifang und allein 40% aller Meeresfische werden an Haustiere verfüttert. Bis Mitte des Jahrhunderts werden auch die letzten 10% weg sein. Trotzdem werden weiterhin Fabrikschiffe, die Fischerei und der damit verbundene ungeheure technischen Aufwand weltweit mit jährlich 67 Milliarden Dollar subventioniert. Watson empfiehlt, die Fischerei auf deutlich niedrigerem Niveau zu halten und diese Subventionen für wichtigere Dinge einzusetzen. So können sich die Meere aus sich selbst heraus regenerieren. Andersherum bedeuten derartige Massensterben allerdings auch nicht das Ende unseres Planeten, mit Sicherheit aber das der Menschheit!
Ebenfalls gingen seit 1950 rund 40% des Phytoplanktons verloren – eine Situation, an die kaum einer denkt. Dabei produziert dieses pflanzliche Plankton allein 50% unseres Sauerstoffs. Um es zu ernähren, wären u.a. die Exkremente von Walen außerordentlich hilfreich, womit sich der Kreis wieder schließt: In der Vergangenheit wurden immerhin 90% dieser Tiere ausgelöscht, und noch heute gehen einige Nationen, vor allem aber Japaner diesem abwegigen Gewerbe nach! Dabei scheiden alleine Blauwale z.B. drei Tonnen an Exkremente pro Tag aus. Insgesamt haben wir es hier mit einem sehr interessanten Buch zu tun, das eigentlich jeder haben und auch lesen sollte!

Wolfgang Freihen, im November 2016

Sciurba, Michele / Schuster, Sarah:
Eine Bewegung kann man nicht zerstören
Ein Interview „Im Gespräch mit Paul Watson“
Broschiert mit farbigem Titelbild, Format ca. 15,5 x 23,5 cm
124 S. mit vielen farb. Abb.
Edition Faust, Frankfurt/Main, 2016
ISBN 978-3-945400-38-8
Preis: 24.– €

Apnoe: Techniken, Geheimnisse & Lifestyle des Freediving

Ein sehr schönes Lehrbuch für all diejenigen, die nicht nur einfach schnorcheln möchten, sondern ernsthaftes Interesse haben, das Apnoetauchen zu erlernen und/oder persönliche Bestwerte im Atemanhalten, Strecken- und Tieftauchen zu erreichen. Es ist ein Buch, das man zweckmäßigerweise nicht für sich alleine liest, sondern es kursbegleitend in einem Tauchsportverein oder an einer speziellen Freitaucherschule benutzt. Weiterlesen “Apnoe: Techniken, Geheimnisse & Lifestyle des Freediving” »

Wale hautnah

Es ist rund 17 Jahre her, dass die beiden Autoren die Antilleninsel Dominika zum ersten Male besuchten. Sie ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern man kann hier als Besonderheit das ganze Jahr über Pottwale erleben. Zunächst gehörte wohl eine Menge Mut dazu, diesen Meeresriesen schnorchelnd hautnah zu begegnen. Immerhin handelt es sich dabei um die größten Raubtiere unserer Erde. Ganz besonders faszinierend dabei eine Gruppe von sieben Walen, die das  Leben von Andrea und Wilfried Steffen grundlegend veränderten: Seither kommen sie jedes Jahr nach Dominika zurück, haben die Insel quasi zu ihrer „Walheimat“ gemacht, dort auch ein Walmuseum errichtet, und durch den immer wiederkehrenden Kontakt mit den gleichen Tieren ließen sich im Laufe der Zeit äußerst interessante Verhaltensstudien anstellen. Weiterlesen “Wale hautnah” »

Tauchführer Deutschland – Binnenseen und Ostseeküste

Ein sehr schönes Buch, das sich zunächst kurz den Besonderheiten unserer Binnengewässer zu den vier Jahreszeiten und der Ostsee auseinandersetzt, bevor es zu einem Überblick der interessantesten Tauchlätze kommt, die öffentlich zugänglich sind. Das sind Altwässer, Bäche und auch Flüsse, soweit diese klar genug sind, aber auch Teiche und Seen, Kiesgruben und andere künstliche Tauchgewässer, wie etwa Talsperren, vollgelaufene, ehemalige Bergwerke und Steinbrüche. Selbst der NaturaGart bei Ibbenbüren fehlt nicht, und auch Tauchtürme und Tauch-Gasometer sind dabei – insgesamt reich bebildert und sehr abwechslungsreich.

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Lusoria – Ein Römerschiff im Experiment

Die Schiffsarchäologie beschäftigt sich nicht nur mit unter Wasser gefundenen Wracks, sondern auch solchen, die z.B. bei Ausschachtungen an Land ausgegraben wurden, so z.B. mit den fünf Römerschiffen von Mainz und den beiden Flusskriegsschiffen von Oberstimm nahe Ingolstadt. Die dendrologische Untersuchung der Mainzer Schiffe ergab, dass die Bäume dazu in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts geschlagen wurden. Alle Schiffe gehörten einer neuen Generation einreihiger, schlanker Ruderfahrzeuge von etwa 20 Meter Länge mit Zusatzbesegelung an, eben den Lusorien, die ganz auf Geschwindigkeit und gute Manövrierbarkeit ausgelegt waren. Mit ihnen suchte man die Flussgrenzen des Römischen Reiches entlang des Rheins und der Donau mit ihren Nebenflüssen zu kontrollieren und zu sichern. Die gefundenen Holzreste wurden exakt vermessen und konserviert, und der spätere Nachbau sollte mehr Klarheit über die Konstruktion, den Bau und die Wirksamkeit dieser Boote bringen.

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Tauchen de Luxe

Ein sehr schönes Buch, zweifellos! Ganzleinen mit farbigem Schutzumschlag, auf dem eine leere Hängematte über gekräuseltem, klarem Wasser schaukelt. Mit einem schönen Cocktail in der Hand ließe sich darin so richtig träumen! Herrlich, wunderbar! Das Buch ist ein Tauchreiseführer, der gut bebildert weltweit schöne Hotels mit gutem Service und erstklassigem Ambiente und Tauchbasen mit netten Tauchrevieren vorstellt. Natürlich ist es reizvoll, sich in einem derart komfortablen Hotel verwöhnen zu lassen. Und es ist durchaus auch ganz nett, an Haifütterungen und der von großen Zackenbarschen teilzunehmen, und doch reißt mich dieses Buch nicht vom Hocker.

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Moderne Tauchmedizin – Handbuch für Tauchlehrer, Taucher und Ärzte

Das Buch ist leider nicht immer so leicht zu lesen, wie im Vorwort angekündigt. Das allerdings ist auch nicht die Intention: Schließlich geht es darum, den heutigen Stand der Tauchmedizin und der damit zusammenhängenden Themenbereiche komplett und in möglichst verständlicher Art und Weise darzustellen – ein  recht komplexes und auch kompliziertes Thema. Da ist es denn auch nicht negativ zu bewerten, manche Absätze wiederholt lesen zu müssen, um die Zusammenhänge wirklich zu erfassen. Und die werden in der Tat bis ins Detail erklärt!

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Ocean Soul

Ein Bildband, der mit beeindruckenden UW-Aufnahmen aufwartet und ganz einfach alle Naturfreunde, vor allem aber Liebhaber aquatischer Lebensräume, wie etwa Sporttaucher und UW-Fotografen beeindrucken muss! Brian Skerry ist als berufsmäßiger UW-Fotograf für die National Geographic Society tätig und stellt hier eine Auswahl seiner schönsten Fotos vor, die er seit über 30 Jahren in allen warmen, gemäßigten und kalten Meeren der Welt aufgenommen hat.

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