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Netzwerk Korallenriff: wertvoller als google, apple & Co

Der Untertitel schien mir anfänglich zu weit aufgetragen, aber beim Lesen stellt man schnell fest, ein ganz besonderes Buch vor sich zu haben. In der Tat ist es derzeit das umfassendste seiner Art! Der Autor geht wohl in seiner Betrachtungsweise sehr weit zurück und weist u.a. auf riesige Gebirgszüge hin, die im Laufe von Jahrmillionen durch die Arbeit kleiner Korallenpolypen entstanden sind. Damit wird klar, dass diese Tierchen weit umfangreichere Bauten errichtet haben als etwa wir Menschen. Aber noch etwas anderes wird deutlich: Bücher dieser Art, für die Allgemeinheit geschrieben, müssen ganz einfach umfassend sein. Nur so werden Facetten und Zusammenhänge sichtbar, die zuvor manchem verborgen geblieben sind. So wussten durchaus auch andere Autoren Bescheid über die Gebirgsbildung, aber ihre Bücher setzten anders an: Sie berichten über ein bestimmtes Gebiet, dort vorkommende Riffe und deren heutiges Aussehen. Hier aber geht es um die Korallen ganz allgemein, ihre Bedeutung, ihren gegenwärtigen, gefährdeten Zustand und um deren Zukunft. Dabei werden tropische und subtropische Flachwasserriffe ebenso angesprochen, die uns Tauchsportler begeistern, wobei die meisten allerdings noch nicht einmal zwischen früher, vor etwa 50 oder mehr Jahren und heute unterscheiden können. Vielmehr geht es auch um Tiefseeriffe, die man vor wenigen Jahren noch überhaupt nicht kannte, und die auf ganz andere Weise ebenso weltumspannend existieren. Sie allesamt werden durch die Meeresversauerung, die Klimaerwärmung und viele andere menschliche Eingriffe ebenso bedroht, wie durch zunehmend sich stärker auswirkende Naturkatastrophen. Dadurch nehmen sie gewaltig ab. Dabei sind Riffe nicht nur für den Küstenschutz auch in Zukunft äußerst wichtig, sondern sie können auch mit dem allmählich ansteigenden Meeresspiegel weiter nach oben wachsen.
Korallenriffe lösen mit derartigen Möglichkeiten den Urwald als wichtigstem Lebensraum ab. Wo andere nur wenige Worte brauchen, benötigt der Autor über 30 Seiten, um allein die komplexen Lebensmöglichkeiten der Polypen zu beschreiben. Dabei geht er auch auf deren Fortpflanzung ein, die in verschiedenen Ozeanen zu unterschiedlichen Zeiten stattfindet, ebenso auf die Zooxanthellen, die mit Steinkorallen in Symbiose leben – der wohl großartigste Schritt beim Recycling überhaupt! Gleichzeitig zeigt er das außerordentlich enge Wärmeprofil auf, in dem diese Pflänzchen leben können, und er weist auf über 40 Arten hin, die teilweise auch höhere Temperaturen vertragen. Damit wird ein Hoffnungsschimmer gesetzt, Riffe auch bei steigenden Temperaturen am Leben zu erhalten. Die Akteure müssen „nur“ rechtzeitig zusammenfinden, um ihr Leben nicht während der Korallenbleiche zu verlieren. Ebenso beschreibt er ganze Riffe, für die die Bezeichnung Netzwerk besonders gut gewählt ist. Schließlich haben wir es nicht nur mit Steinkorallen, sondern auch mit Schwämmen, Leder- und Hornkorallen zu tun, auch mit Pflanzen und vielen verschiedenen Rifffischen und Räubern, mit Krebsen, Weichtieren und anderen mehr, die allesamt abwandern, wenn Riffe tatsächlich verschwinden sollten. Wir nehmen Teil bei einem Blick in das Herz der Evolution und können nur hoffen, dass die Korallenriffe letztlich doch überleben werden. Der Autor folgt neuesten Forschungsergebnissen, berichtet über wichtige Medikamente aus den Riffen, und doch vermisste ich einiges: So berichtete nicht nur Darwin über Atolle, sondern z.B. wurde Hans Hass in den Malediven zu einer weiteren Theorie veranlasst, die durchaus ihre Berechtigung hat. Auch der Beitrag über von Gleichstrom durchflossene Baustahlgeflechte zum Nachwachsen ist mir etwas zu kurz. Trotzdem ein Buch, das man nur empfehlen kann!

Wolfgang Freihen, im Juli 2017

Krimmer, Heinz:
Netzwerk Korallenriff
Wertvoller als Google, Apple und Co.
Broschiert mit ausfaltbarem Einband. Innen mit Karte der „normalen“ und Tiefseekorallenriffe, Einband mit farbigem Titel, Größe ca. 13,7 x 21,5 cm
224 S. u. zahlreichen Bildern auf Tafeln
Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, 2017
ISBN 978-3-440-15447-2
Preis: 19,99 €

Licht im Dunkel

Ein wunderschönes Kinderbuch, das recht positiv aus anderen Büchern dieses Genres herausragt: Erzählt wird die Geschichte von Tom, einem Jungen, dessen Armband mit einer Perle von einem Luxusliner ins Meer fällt. Für ihn ist es schrecklich, denn es handelt sich um das letzte Geschenk seiner mittlerweile verstorbenen Mutter, und er möchte dieses Juwel natürlich auf jeden Fall wieder bekommen… Danach fällt er in einen Traumschlaf, wird sehr klein und lässt sich zunächst von Seepferdchen ins Meer führen, um dieses besondere Schmuckstück wiederzufinden. Aber es rutscht eigenartigerweise immer tiefer. Zwar wird es immer wieder gefunden, doch es rutscht noch tiefer, bis hinab in die kalte Tiefsee hin zu einem Schwarzen Raucher. Auch Tom gelangt so immer weiter nach unten, ohne dabei zu frieren oder atmen zu müssen. Dabei spielt er auch mit einem Hai und mit Delfinen. Ebenso lernt er auch alle möglichen anderen, oft skurril geformten Tiefseefische, Krebse, Quallen, Tintenfische und selbst den längsten aller Knochenfische kennen, den bis zu acht Meter langen, wunderschön gezeichneten Riemenfisch. Alle helfen ihm, das Band wiederzubekommen, und zum Schluss, wieder oben, führt ihn ein bunter Korallenfisch durch einen Vulkanschacht zurück in seine Welt, wo er im Süßwasser sogar noch Axolotls begegnet, die ihr ganzes Leben im Larvenzustand verbringen – insgesamt eine äußerst reizende Geschichte, die mit wunderschönen Zeichnungen versehen ist. Um ja alles richtig darzustellen, konsultierte die Autorin und Zeichnerin u.a. den Meeresbiologen Dr. Dieter Fiege von der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt am Main. Damit erhält dieses Buch einen ganz besonderen Wert für unsere Kleinen. Sie erfahren so nicht nur von der modernen Tiefseeforschung, sondern vor allem von den Lebewesen, die in dieser pechschwarzen Welt leben und teilweise Lichtblitze aussenden oder Laternen haben, die sie ganz nach Bedarf an- und ausschalten können… Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Wolfgang Freihen, im November 2016

Krist, Hetty:
Licht im Dunkel
Harter Einband mit farbiger Titelzeichnung, Format ca. 21,7 x 30.2 cm
Ohne bes. Seitenangaben mit wunderschönen Zeichnungen
Lychatz Verlag, Leipzig, 2015
ISBN 978-3-942929-99-8
Preis: 9,95 €

Lebensraum Meer: Menschen, Küsten, Handelsrouten

Der Untertitel lässt bereits erkennen, dass wir kein ozeanographisches oder meeresbiologisches Buch vor uns haben, auch kein Taucherbuch. Zwar spielen all diese Bereiche eine äußerst wichtige Rolle darin, ebenso „unsere“ UW-Welt, wie wir sie lieben, aber auch die übrigen, überwiegend kulturgeschichtlichen Kapitel sind dermaßen interessant, tiefgründig und fesselnd geschrieben, dass man das Buch erst zur Seite legt, wenn man am Ende angekommen ist. Und dann wird man es mit Gewissheit noch öfter zur Hand nehmen, um den Inhalt des einen oder anderen Kapitels weiter zu verinnerlichen! Aber nicht nur der Text ist zu loben, sondern auch die Gestaltung des Buches, der besonders ansprechende Layout und die ausgefallene Fotoauswahl sind erwähnenswert! Weiterlesen “Lebensraum Meer: Menschen, Küsten, Handelsrouten” »

Heyerdahl: Auf dem Floß zum Forscherruhm

Eine weitere Biografie Thor Heyerdahls, die zeigt, dass selbst 65 Jahre nach seiner Pazifiküberquerung mit dem Balsafloß Kon-Tiki das Interesse an dieser Persönlichkeit noch immer ungebrochen ist. Es handelt sich dabei um eine gekürzte Übersetzung zweier norwegischer Bücher aus den Jahren 2005 und 2008, die sehr gut gelungen ist, und die – obwohl die anderen Expeditionen Heyerdahls ebenfalls besprochen werden – sich schwerpunktmäßig auf die Kon-Tiki-Reise konzentriert. Weiterlesen “Heyerdahl: Auf dem Floß zum Forscherruhm” »

Lexikon der Meeresaquaristik

Ein Lexikon liest man natürlich anders als ein gewöhnliches Buch. Man macht lediglich Stichproben und ist angetan von dem, was alles geboten wird. Für die erfolgreiche Pflege eines Meerwasseraquariums ist ein vielschichtiges Wissen aus unterschiedlichen Sachgebieten erforderlich, und man muss darüber hinaus biologische und ökologische Kenntnisse über die artenreiche Korallenrifffauna mitbringen. Ebenso muss man die Umgebungsansprüche der zu pflegenden Korallenfische und Wirbellosen kennen. Weiterlesen “Lexikon der Meeresaquaristik” »

Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima

Es ist kein Tauch- oder UW-Buch, das ich dieses Mal vorstelle, sondern ein Umweltbuch, das sich mit dem Klimawandel auseinandersetzt – eines der bemerkenswertesten Bücher zu diesem Thema überhaupt. Ich kann es nicht warm genug empfehlen, denn dieses Thema betrifft jeden einzelnen von uns, und zwar weltweit! Wichtig dabei, dass dieser Wandel durch die Verbrennung fossiler Energieträger und das dabei anfallende CO2 hervorgerufen wird. Ohne Zweifel ist der Klimawandel damit anthropogener Natur, wird durch uns selbst verursacht, und deshalb können wir ihm auch nur selbst entgegenwirken, indem wir den weiteren ungebremsten CO2-Austoß durch entsprechende Maßnahmen unterbinden. Sollten wir das nicht schaffen, wird sich unser Leben, wie wir es heute kennen, total verändern, und der Klimawandel wird sich zur größten Herausforderung entwickeln, der sich die Menschheit je gegenübergesehen hat. Weiterlesen “Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima” »

Von der Waljagd zur Walbeobachtung

wulf_whalingWulf H. Koehler würdigt mit diesem, seinem ersten Buch, nicht nur seine neue Wahlheimat, die Azoren auf besondere Art und Weise, sondern beschreibt vor allem die dortige Geschichte des Pottwal-Fangs von den allerersten Anfängen über ihren Höhepunkt bis hin zum touristischen „Whalewatching“ von heute, wobei er gleichzeitig  auf die Bedeutung dieses Ökosystems eingeht. Weiterlesen “Von der Waljagd zur Walbeobachtung” »

Arktis und Antarktis


Die polaren Gebiete sind die Wetterküchen für die gemäßigten Zonen unserer Erde. Hier „entspringen“ auch die globalen Meeresströme, um schließlich wieder hierher zurückzukehren. Trotz solcher Gemeinsamkeiten sind beide Gebiete recht unterschiedlich: So liegt der Nordpol mitten im Nordpolarmeer, während sich der Südpol auf dem antarktischern Kontinent befindet. Ringsum ist die Antarktis unter einer mehrere Kilometer dicken Eisschicht begraben. Weiterlesen “Arktis und Antarktis” »

Modernes Tauchbasenmanagement: Handbuch für Tauchschulen, Tauchbasen nach ISO 24803

Genügte in den Anfangsjahren des Tauchsports schon allein die Begeisterung, um sein Hobby zum Beruf zu machen, so ist das heutzutage bei weitem nicht mehr ausreichend: Das ergibt sich einmal aus der bereits vorhandenen, breiten Konkurrenz, aber auch an den stark veränderten Anforderungen, die heutige Kunden an Tauchschulen stellen: Selbst wenn die taucherisch-fachliche Kompetenz einwandfrei vorhanden ist, so ist heute darüber hinausgehendes, strategisches Vorgehen unbedingt erforderlich, um schon allein durch den erforderlichen Kapitalaufwand auf der sicheren Seite zu bleiben. Das unternehmerische Risiko ist heutzutage höher, und auch die persönlichen Anforderungen sind andere geworden: Man muss bereit sein, das Familien- und Privatleben weitestgehend in den Hintergrund zu stellen, um vor allem für die Gäste da zu sein. Darüber hinaus  gehören noch andere Dinge hinzu, die im  Vorfeld abzuklären sind, bevor man sich zur Gründung oder zum Kauf einer Tauchschule oder einer Basis entschließt. Allgemeine Geschäftsbedingungen und Verträge gehören ebenso dazu, wie vor allem kaufmännisches und technisches Grundwissen und das Vorhandensein verschiedener „Soft Skills“ wie z.B. Empathie, gute Kommunikationsfähigkeit und anderes mehr. Weiterlesen “Modernes Tauchbasenmanagement: Handbuch für Tauchschulen, Tauchbasen nach ISO 24803” »

Tauchreiseführer Rotes Meer – Topspots, Safaris, Unterwasserwelt

Ein Tauchreiseführer, der sich ganz und gar auf Ägypten konzentriert und mit seinen systematisch aufgebauten Kapiteln, den vielen Farbaufnahmen, Karten und den farbig abgesetzten Hinweisen, Infos und Tauchplatzbeschreibungen einen recht guten Eindruck macht. Die beiden Autoren kennen dieses Gebiet durch mehrere Dutzend Tauchreisen und haben dabei auch sehr viel unter Wasser fotografiert. Umso eigenartiger, dass da ein Bild gleich zweimal gebracht werden muss, einmal klein und später doppelseitig – so, als hätten keine anderen zur Verfügung gestanden. Aber noch verwunderlicher erscheint mir, dass nach rund 30 Jahren Rotmeererfahrung schon im Vorwort der Eindruck erweckt wird, dass die Tauchreviere, die Riffe und die Vielfalt der Fische auch heute noch genauso wirken wie damals.

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