Archäologie

Lusitania

Zur Besprechung legte ich dieses Buch immer wieder zur Seite und zog andere vor, obwohl diese erst später zur Rezension eingereicht wurden. Warum war das wohl so? Nun, es lag ganz einfach am Schutzumschlag, der mich zu sehr an ein Jugendbuch erinnerte, obwohl die Gestaltung einem durchaus ernst zu nehmendem Plakat aus dem Jahr 1915 nachempfunden wurde. In der Originalgröße mag dieses Plakat auch sehr viel besser gewirkt haben als der bedeutend kleinere Schutzumschlag mit seinem diagonal aufgedruckten Titel heutzutage. Dieser Umstand mag sich auch auf die Verkaufszahlen negativ ausgewirkt haben… So jedenfalls wirkte das Ganze einfach „billig“ auf mich, ohne dies tatsächlich zu wollen: Nach der jetzt erfolgten Lektüre ist allerdings zu sehen, dass wir es in Wirklichkeit mit einem großartigen und ernsthaften Sachbuch zu tun haben, wie es kaum besser ausgearbeitet werden kann! Das Buch beschäftigt sich mit der Geschichte der „Lusitania“ und ihrem Untergang am 7. Mai 1915 vor der Küste Schottlands, wo das Schiff nur wenige Minuten nach einem deutschen Torpedotreffer unterging und rund 1200 unschuldige Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, in den Tod riss. Darüber hinaus setzt es sich mit der Unsinnigkeit von Kriegen im Allgemeinen auseinander, aber auch mit unserer deutschen Geschichte vom 1. bis zum 2. Weltkrieg und darüber hinaus, teilweise sogar bis zum heutigen Tag. Beeindruckend die ungeheure Fülle an historischen Dokumenten, Zeitungsartikeln, Büchern und all der weiterführenden Literatur, die es vom Autor für dieses Geschichtswerk durchzuarbeiten galt! So ist ein großartiges Sachbuch entstanden, das jedem, nicht nur Tauchern und an der UW-Archäologie Interessierten zu empfehlen ist, die heutzutage an der Atlantikküste ins kalte Wasser steigen, um zum Wrack hinunter zu gelangen. Ein Icoon am Anfang des Buches weist auf zusätzliche Informationen im Internet zu diesem Thema hin. Äußerst empfehlenswert!

Wolfgang Freihen, Mai 2017

Jasper, Willi:
Lusitania
Kulturgeschichte einer Katastrophe
Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 14,5 x 22 cm
208 S. mit vielen sw. Abb.
be.bra verlag, Berlin-Brandenburg, 2015
ISBN 978-3-89809-112-1
Preis: 19.95 €

Schiffswracks: Auf Spurensuche vor Rügen und Hiddensee

Wracks üben seit jeher eine große Faszination auf Tauchsportler aus. Zwar ist das Tauchen in wärmeren Meeren reizvoller: Die Sichtweiten sind besser, der Bewuchs abwechslungsreicher. Doch gerade die Wracks der Ostsee, eingekeilt zwischen Felsen oder eingegraben im sandigen Umfeld, sind zumeist für Tauchschulen – sofern es die Witterungsverhältnisse zulassen – nicht nur gut erreichbar. Vielmehr werden solche Ausfahrten zu ganz besonderen Highlights, bieten sie doch, selbst wenn nur noch Spanten aus dem Sandboden herausragen, für UW-Fotografen eine besonders reizvolle Kulisse. Der Bewuchs, überwiegend Wasserpflanzen, Weichkorallen und Seefedern, kontrastiert besonders schön mit dem grünen Wasser. Das Ganze wirkt malerisch und geheimnisvoll, und richtig ideal wird es bei klaren Sichtverhältnissen. Allgemeine Übersichtsaufnahmen werden dann möglich und die Tauchkameraden erscheinen nicht nur schemenhaft auf den Fotos…
Die UW-Archäologie ist noch eine recht junge Wissenschaft. Noch keine 100 Jahre alt, gewann sie erst mit der Weiterentwicklung des Tauchsports Mitte des letzten Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Zwar wurden auch schon vorher antike Schätze geborgen, aber da waren Archäologen noch gänzlich auf die Dienste von aufrecht gehenden Helmtauchern angewiesen. Bis dahin hatten wir es also mit einer reinen Fundbergung zu tun. Erst als Schwimmtaucher konnten sich jetzt endlich auch Archäologen direkt unter Wasser begeben, und so geht es heutzutage nicht nur um die Bergung einzelner Fundstücke, sondern es können weitaus mehr interessante Fakten auch zum Untergang selbst gesammelt werden. So wird bei besonders interessant erscheinenden Wracks der Sand über dem verschütteten Kiel wegsaugt. Durch den guten Erhaltungszustand werden Details der früheren Schiffsbaukunst sichtbar, von denen wir keine überlieferten Zeichnungen haben, und es lassen sich zusätzliche Funde sicherstellen. Besonders wertvolle Stücke werden sogar konserviert. Es ist klar, dass UW-Archäologen es nicht so gerne sehen, wenn auch „normale“ Sporttaucher zu solchen Fundstellen gelangen können, die möglicherweise sogar besondere, bislang aber weniger beachtete Fundstücke als Souvenir entwenden… Nur die Witterungsumstände allein können hier nämlich schon dazu führen, dass solche Untersuchungen mitunter mehrere Jahre andauern. Deshalb werden solche Untergangsstellen zumeist gar nicht erst bekannt gegeben.
Sehr schön, dass sich das Buch nur mit den Wracks aus der Umgebung von Rügen und Hiddensee auseinandersetzt. Es sind keinerlei Kriegsschiffe dabei, sondern nur solche, die normale Handelsgüter transportierten. Die meisten sind Segler, sehr viel kleiner als heutige Schiffe und zumeist hölzerner Bauart. Der Autor ist einer der bekanntesten UW-Archäologen dieses Gebietes. Er gibt eine allgemeine Übersicht über das Wesen seiner Arbeit, stellt besondere, archäologisch ausgerichtete Vereine vor, auch staatliche Stellen und besondere Suchschiffe, ebenso wie dendrologische Untersuchungen, um anhand der Jahresringe die Wachstumszeit der Bäume und damit das Schiffsalter und u.U. sogar die Identität des entsprechenden Wracks festzustellen. Ebenso werden mühsame Arbeiten in Archiven, alten Zeitungen usw. vorgestellt, wie auch besondere Vergleiche in entsprechenden Museen – alles Arbeiten, die ebenfalls zum Alltag eines UW-Archäologen gehören. Ebenso erhalten wir einen allgemeinen Einblick in die Tauchgeschichte, wenngleich dieser Teil nur kurz gestreift wird. Der hintere Buchteil, der sich ausführlicher mit einzelnen Wracks auseinandersetzt, wirkt besonders reizvoll. Hinweise zu den entsprechenden Untergangsstellen erfolgen aus unterschiedlichen Richtungen, z.B. dann, wenn moderne Wracks eine besondere Gefahr in Schifffahrtsstraßen darstellen, sie können aber auch von Fischern kommen, deren Netze sich verfangen haben oder sie entstammen der Beobachtungen aus Flugzeugen und Hubschraubern, und nicht zuletzt kommen sie auch von Arbeitsstellen, wenn z.B. Rohrleitungen unter Wasser verlegt werden. Die Suche nach solchen Fundstellens kann sich bereits sehr aufwändig gestalten. Insgesamt ein sehr schönes Buch, reich bebildert mit vielen zeitgenössischen Aufnahmen. Sehr empfehlenswert!

Wolfgang Freihen, im November 2016

Förster, Thomas:
Schiffswracks
Auf Spurensuche vor Rügen und Hiddensee
Harter Einband mit chamoisfarbigem Titelbild, Format ca. 24,5 x 21,5 cm quer
144 S. mit vielen Fotos, Zeichnungen, einer Karte und zahlreichen Steckbriefen untergegangener Schiffe
Hinstorff Verl., Rostock, 2016
ISBN 978-3-356-02061-8
Preis: 19,99 €

Mission Titanic: Tiefseeexpeditionen zum berühmtesten Wrack der Welt

Ein ganz besonders bemerkenswertes Buch            !! Das gleich in mehrerer Hinsicht. Einmal ist es ein ungewöhnliches Titanic-Buch, denn es enthält das Wichtigste zu einigen Dokumentarfilmen, für die der Autor drei Expeditionen in MIR-Tauchbooten zur Untergangsstelle dieses Luxusliners unternommen hat, und zum anderen liest es sich teilweise wie eine Autobiografie, die sehr viel über das Wesen des Autors, sein Denken, seinen persönlichen Einsatz, sein technisches Können und seine Kreativität aussagt. So erfahren wir, dass er schon früh mit dem Tauchsport begonnen hat. Cousteau war sein Vorbild, dazu knüpfte er Kontakte zu anderen UW-Forschern, baute noch als Bub ein Modell eines UW-Labors nach, hatte hochfliegende Pläne und war gleichzeitig sehr an der Geschichte der Titanic interessiert. Weiterlesen “Mission Titanic: Tiefseeexpeditionen zum berühmtesten Wrack der Welt” »

Legendäre Schiffswracks: Von der Arche Noah bis zur Titanic

Na ja – eine unterhaltsame Lektüre, leicht lesbar, gut verständlich geschrieben, mitunter sogar spannend – ein durchaus netter Zeitvertreib, aber kaum mehr. Zwar vermag das Buch bei relativ unbekannten Wracks, einigen allgemeiner gehaltenen Kapiteln  und dem  über das Abwracken ausgedienter Schiffe dem interessierten Leser einige Neuigkeiten zu bieten, aber im Allgemeinen erreicht es leider nicht den Tiefgang, wie man dies sonst von den anderen Büchern des Theiss Verlages kennt. Weiterlesen “Legendäre Schiffswracks: Von der Arche Noah bis zur Titanic” »

Kriegsschrott in der Ostsee

Das Tauchgebiet von Reinhard Öser erstreckt sich entlang der über 1700 km langen Küstenlinie Mecklenburg-Vorpommerns und von dort aus über die gesamte mittlere Ostsee, d. h. bis hin nach Schweden. Es ist ein riesiges Gebiet, in dem sich ein großer Teil der rund 3000 Wracks befinden, die seit 1600 im gesamten Gebiet der Ostsee verstreut sind. Dabei interessieren ihn insbesondere solche aus dem 1. und 2. Weltkrieg und der Zeit dazwischen. Öser ist UW-Archäologe und Profitaucher. Er arbeitet mit anderen UW-Archäologen, gut ausgebildeten Sporttauchern, Freunden der Marinekameradschaft Kampfschwimmer Ost e.V., wechselnden internationalen Crews und dem Amt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern zusammen, um verschollene Schiffe aufzuspüren, zu sichern und zu dokumentieren. Weiterlesen “Kriegsschrott in der Ostsee” »

Lusoria – Ein Römerschiff im Experiment

Die Schiffsarchäologie beschäftigt sich nicht nur mit unter Wasser gefundenen Wracks, sondern auch solchen, die z.B. bei Ausschachtungen an Land ausgegraben wurden, so z.B. mit den fünf Römerschiffen von Mainz und den beiden Flusskriegsschiffen von Oberstimm nahe Ingolstadt. Die dendrologische Untersuchung der Mainzer Schiffe ergab, dass die Bäume dazu in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts geschlagen wurden. Alle Schiffe gehörten einer neuen Generation einreihiger, schlanker Ruderfahrzeuge von etwa 20 Meter Länge mit Zusatzbesegelung an, eben den Lusorien, die ganz auf Geschwindigkeit und gute Manövrierbarkeit ausgelegt waren. Mit ihnen suchte man die Flussgrenzen des Römischen Reiches entlang des Rheins und der Donau mit ihren Nebenflüssen zu kontrollieren und zu sichern. Die gefundenen Holzreste wurden exakt vermessen und konserviert, und der spätere Nachbau sollte mehr Klarheit über die Konstruktion, den Bau und die Wirksamkeit dieser Boote bringen.

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TITANIC – Vier Tage bis zur Unsterblichkeit

Das Buch zum 100sten Jahrestag der Katastrophe, das bisher letzte einer ungeheuren Vielzahl von Büchern zu diesem Thema, die mit ihren ergänzten und erweiterten Neuauflagen, den verschiedensten Sonderausgaben und all den Übersetzungen mittlerweile über 2500 Bände ausmachen. Und doch ein Buch, das anders ist als die übrigen. Dazu bereiste der Autor die Originalschauplätze, Er berichtet sachlich, emotionslos und so, sodass man sich leicht einen Allgemeinüberblick verschaffen kann. Sicher geht es dabei auch um die Technik und die luxuriöse Ausstattung des Schiffes, doch im Wesentlichen geht es um die Menschen, die das Unglück miterlebten oder von außen betrachteten, die an der Konstruktion, dem Bau und Betrieb des Schiffes oder am Auffinden des Wracks beteiligt waren.

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Auf Schatzsuche in den sieben Weltmeeren

Ein Bericht über verschiedene UW-archäologische Arbeiten, vornehmlich vor der ägyptischen Mittelmeerküste, aber auch über die Bergung der 400 Jahre alten Galeone „San Diego“ im Gebiet der Philippinen. Die Texte sind kurz gefasst, doch umfassend genug, um einen Einblick in alle damit verbundenen Teilbereiche zu erhalten, von der Auffindung bis zur Bergung und darüber hinaus.

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Duncan Camerons Schatzsuche auf dem Meeresgrund – Ein interaktives Abenteuer

Ein großartiges Jugendbuch, das auch die Eltern begeistern wird! Erzählt wird von der Suche nach einem Goldschatz, den ein verstorbener Onkel entdeckt hat, und dessen Lage er seinem Neffen im Testament mitteilt. Der muss nur clever genug sein, ihn nach den verschlüsselten Angaben zu finden. Besucht werden dabei Untergangsstellen einer ganzen Reihe reell existierender Schiffswracks von der Antike bis zur Neuzeit, ebenso Bergungsgesellschaften, Museen und die Werkstätten zur Restauration versunkener Artefakte.

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Schlafende Schiffe – Die Wracks im Roten Meer

Tauchen in Wracks gehört zu den Höhepunkten eines jeden Tauchurlaubes! Das gilt besonders, wenn sie von Korallen überwachsen  und mittlerweile fast selbst zum Riff geworden sind. Die beiden Autoren geben in diesem Buch einen Überblick über eine Vielzahl sehr reizvoller Wracks in ägyptischen Gewässern des Roten Meeres.

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