Unsere Ozeane

Das Buch zum gleichnamigen Film, der erst Ende Februar dieses Jahres in unseren Kinos angelaufen ist. Ein großartiger Film mit Aufnahmesequenzen, wie wir sie bisher noch nirgendwo anders zu sehen bekamen! Das liegt daran, dass bisher weder solche Kameras mit ihren zugehörigen Gehäusen, noch all die anderen Zusatzgeräte und entsprechenden Aufnahmematerialien zur Verfügung standen. Fast alles wurde erst speziell für diesen Film neu entwickelt. So entstanden auch völlig neue Aufnahme- und Tontechniken.

Normale 35 mm Filme wurden mit Aufnahmen digitaler Kameras kombiniert, die einem insgesamt, aber speziell unter Wasser weitaus mehr Möglichkeiten erlauben. Natürlich erforderte die Kombination dieser Aufnahmen anschließend weitere zusätzliche Studio-Arbeiten: Schließlich sollte alles wie aus einem Guss erscheinen und so aufeinander abgestimmt sein, dass die Vielzahl all der Höhepunkte wie ganz von selbst ineinander übergehen… Immerhin stecken zwei Jahre Vorbereitung und vier Jahre Dreharbeiten in dem Film. Bis zu 12 Teams waren dazu gleichzeitig in allen Weltmeeren unterwegs. Eine gigantische Arbeit, von deren Schwierigkeiten man allerdings nichts spürt. Es ist weder ein Expeditions-, noch ein Lehrfilm über das Meer und seine Bewohner. Man schaut ganz einfach, ist gebannt vom Geschehen und lässt ihn einfach auf sich einwirken. Es ist ein Film, der vor allem unser Gefühl anspricht, der unter die Haut geht und zeigt, wie großartig und vielgestaltig die Schöpfung ist und was wir Menschen alles aus Profitgier und Unwissenheit anstellen, um diese Welt unter Wasser auf vielfältige Art und Weise zu schädigen. Er zeigt aber auch, wie wichtig es ist, für den Schutz der Ozeane einzutreten, und dass dies bereits mit unserem Verhalten zu Hause beginnt. So wird der Film auch zur Hoffnung. Er lädt zum Nachdenken ein und bietet vielfältige Ansätze, um diesen Trend schließlich doch noch in letzter Minute umzukehren…

Was soll man sich nun zuerst zu Gemüte führen – den Film oder das Buch? Das ist eigentlich egal – Hauptsache, man macht beides! Diejenigen, die erst anschließend zum Buch greifen, werden sich den Film unter Garantie nochmals ansehen, um die einzelnen Szenen noch bewusster auf sich einwirken zu lassen. Jetzt schließlich ist man ja „wissend“ und kann den Film auch noch aus anderen Gesichtspunkten genießen…      

Das Buch ist genauso großartig wie der Film. Schon allein seine Größe besticht, der Druck, der hervorragende Layout und all die phantastischen Fotos, die oft über eine gesamte Doppelseite gehen oder gar ausklappbar sind. Berichtet wird in vier Hauptkapiteln. Es geht um die Entstehung des Filmes und all die Drehbücher, die immer wieder aufs Neue verworfen und durch andere ersetzt wurden. Das liegt sowohl an der Größe der Ozeane, wie auch an der Riesenaufgabe, die man sich mit dem Film gestellt hat. Was bringt man hinein, was lässt man weg? Eine schwierige Entscheidung: Schließlich wollte man trotz der Vielzahl all der Lebewesen, die zumeist unberücksichtigt bleiben müssen, ein geschlossenes Gesamtbild präsentieren.

Berichtet wird dabei über die Filmarbeit in den offenen Meeren ebenso wie in polaren Gewässern und an allen möglichen Küsten und Inseln, in Korallenriffen und Kelpwäldern. Dabei spielen die Gewalten des Meeres, seine Wellen und Strömungen eine genauso wichtige Rolle wie all seine Bewohner, die als Hauptdarsteller fungieren. Das fängt bei kleinen Planktern an und geht über sämtliche Stufen der Nahrungskette bis hin zu den Haien und riesigen Walen. Die Texte verbinden dabei biologisches Grundwissen mit den jeweiligen Taucherlebnissen vor Ort. Wir erfahren aber auch alles über die Dreharbeiten selbst, über die Entwicklung der Filmgeräte, aber auch, wie wir allein zu unseren (!) Lebzeiten schon die Meere verändert haben: Wie wir sie mit Macht ausbeuten und mit z. T. perfiden Methoden leer fischen, wie wir sie mit unseren Abfallstoffen vergiften, und wie diese Gifte in die Nahrungsketten einwandern, welche Tiere bereits ausgerottet wurden und welche als nächst folgen… Und schließlich können wir uns auch ausmalen, wie unsere Ozeane von morgen aussehen mögen: Wie sich die Versauerung der Meere und der Klimawandel auswirken und wie wir – wenn wir unser Verhalten nicht grundsätzlich ändern – letztlich die eigenen Lebensgrundlagen zerstören…

Insgesamt ein großartiges Buch für alle, die das Meer lieben, für Schnorchler, Taucher und ganz besonders für UW-Filmer, aber auch für Naturfreunde oder solche, die gerne etwas Besonderes lesen und betrachten oder ganz einfach nur verschenken möchten… Äußerst empfehlenswert!!

Wolfgang Freihen

Jacques Perrin
Mit Texten von François Sarano und Stéphane Durand:
Unsere Ozeane
Harter Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format zirka 29×36 Zentimeter
319 Seiten mit vielen Abbildungen
Knesebeck Verlag, München, 2009
ISBN 978-3-86873-129-3
Preis: 59,95 Euro