Tiefsee: Reise zu einem unerforschten Planeten

Ein Buch, das ähnlich aufgebaut ist, wie die beiden anderen Bände des gleichen Autors aus dem Kosmos-Verlag (siehe unsere Rezensionen). Es werden Fragen gestellt, die er anschließend zu beantworten sucht. Der Inhalt reicht von den ozeanographischen und physikalischen Bedingungen bis hin zu Umweltfragen, dem Leben in der Tiefsee, und der Bogen spannt sich noch weiter über wichtige Expeditionen bis zu den verschiedenen Tieftauchgeräten, Tauchbooten und anderen Forschungseinrichtungen. Selbst Wracks und Schätze spielen eine Rolle. Es scheint also alles drin zu sein, was zum Thema passt. Dazu liest sich das Ganze recht reizvoll, ist sprachlich perfekt, und manchmal kommen recht interessante Fakten und sehr passende Vergleiche zur Sprache.
Dabei versucht der Autor eine Brücke zu schlagen von den durch Tauchsportler erreichbaren Tiefen im Oberflächenbereich bis hinunter zu den größten Meerestiefen. Das ist nicht immer ganz einfach, und als Käufer des Buches sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass der Autor als Herausgeber einer Tauchzeitschrift noch lange kein Fachautor für Tiefseefragen ist. Insofern wäre es wichtig gewesen, ein solches Spezialthema nicht nur einem einfachen, sondern einem richtigen Fachlektorat zu unterziehen! So werden manche Themenbereiche zu lässig, viel zu kurz und dazu auch noch falsch abgearbeitet. So ist das z.B. auf S. 19 der Fall, wo er versucht, die fünf großen Massenaussterben während des Phanerozoikums mit ein paar dürftigen Worten abhandeln und ausschließlich auf Landlebewesen beschränken zu  können. Das ist nun Mal verkehrt und muss in die Hosen gehen! Ebenso sind nicht nur Farbunterschiede für schwarze und weiße Raucher von Bedeutung, sondern enorme Temperaturunterschiede des ausströmenden Wassers, und bei den Meeresströmungen, die keinesfalls „rasend schnell“ sind (wie geschildert), werden wie  anderswo auch Geschwindigkeiten nicht etwa in Kubikmetern pro Sekunde, sondern Metern pro Zeiteinheit angegeben. So ziehen sich Fehlerchen um Fehlerchen durch das ganze Buch, für Laien nicht immer leicht zu entdecken. und durch die Frage-und-Antwortspielereien gehen auch viele wissenswerte Zusammenhänge gänzlich verloren, bzw. kommen gar nicht erst zur Sprache. Wer also mehr als nur eine unterhaltsame Lektüre sucht, sollte besser zu einem richtigen Sachbuch greifen.

Wolfgang Freihen, im April 2013

Ochsenbauer, Leo:
Tiefsee: Reise zu einem unerforschten Planeten
Flexibler Einband mit einfarbigem Titelbild, Größe ca. 14×22 cm
256 Seiten mit zahlreichen schwarzweißen Abbildungen
Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2012
ISBN 978-3-440-13261-6
Preis: 19,99 Euro