Tauchsportlexikon – DiveLex – Tauchtechnik, Tauchmedizin, Tauchphysik, Tauchausbildung

Rein äußerlich macht das Buch einen recht guten Eindruck: Mit 712 Seiten scheint es einen vernünftigen Umfang zu haben. Behandelt werden knapp 750 Stichworte, die mit 220 Abbildungen illustriert werden. Auch das ist ein gutes Verhältnis. Doch schaut man genauer hin, so stellen sich schnell Zweifel am Nutzen dieses Buches ein: Es ist keinesfalls so umfangreich, wie es aussieht. Von den Abbildungen wiederholen sich viele, man findet sie doppelt oder – mit geringen Ergänzungen versehen – gar mehrfach wieder.

Diese Wiederholungen blähen das Buch künstlich auf. Das Gleiche geschieh durch Banalitäten, wie der Zuordnung aller Stichworte zu besonderen Themenkreisen: Hätten Sie z.B. nicht gedacht, dass »Atemgasflasche« ein »technischer Begriff« ist und »Atemluft« zum Thema »Atmung« gehört? Die großen Abstände zwischen den einzelnen Untertiteln schinden nochmals zusätzliche Seiten. Letztlich lassen jedoch nicht nur die Abbildungen, sondern auch die Auswahl der Stichworte und die Ausdrucksweise vieles zu wünschen übrig…

Ein Lexikon wird halt anders gelesen als ein »normales« Buch: Man nimmt es nur dann zur Hand, wenn man genaueres über ein bestimmtes Stichwort erfahren möchte. Das sollte man dann auch finden: Die Erklärungen müssen umfassend sein, ohne ausschweifend zu werden, präzise und vor allem – richtig! Doch dem ist leider nicht immer so.

Zunächst zu den Abbildungen: Die zweite Stufe eines Atemreglers auf Seite 101 ist auf den Kopf gestellt (das noch nicht einmal versehentlich!), und die Bildunterschrift dementsprechend verkehrt. Die »Lichtabsorption« verursacht nicht überall ab 90 Metern eine absolute Dunkelheit, und wenn man (S. 580) in einer ähnlichen Abbildung liest, dass Tiefen ab 100 Metern nur mit druckfesten Anzügen oder von Apnoe-Tauchern erreicht werden, dann fühlt man sich auf den Arm genommen! Manches hätte sich auch besser darstellen lassen: So hätten nicht nur fünf, sondern alle international gültigen Handzeichen dargestellt gehört. Das wird durch den doppelten Gebrauch der Abbildung nicht sinnvoller, und die bei Nacht gebräuchlichen Zeichen sucht man vergeblich…

Ebenso ist die Ausdrucksweise nicht präzise: Tauchermasken und Taucherbrillen scheint es nicht zu geben. Es ist nur von Masken und Brillen die Rede, und wenn bei den Brillen nur von den optischen Sehhilfen gesprochen wird, dann ist das ganz einfach ungenügend! Zudem scheint man Moosgummi nicht zu kennen und stellt Neopren gar als Schaumgummi dar! An andere Stelle werden Blink- und Blitzlicht miteinander verwechselt. Beim Sehen unter Wasser – richtig gemeint, aber verkehrt ausgedrückt – müsste es heißen: Alles erscheint um 1/3 größer und um ¼ näher herangerückt… Solche Ungenauigkeiten finden sich überall: So sind Harpunen keinesfalls meist pressluftgetrieben. Federdruck- und Gummizugharpunen scheint es dagegen genauso wenig wie einfach Handspeere zu geben. Und wenn wir gleich danach unter »Hans Hass« nachsehen, dann stimmt auch die Behauptung nicht, dass das Ehepaar Hass bereits vor Cousteau die Meere erforschte… Bei den Kreislaufgeräten wird nicht deutlich genug zwischen Sauerstoff- und Mischgasgeräten unterschieden, und bei den Atemreglern werden die konstruktiven Unterschiede nicht exakt genug herausgearbeitet…

Nicht gut auch die Auswahl der Begriffe: So haben »Brinellhärte« und »Härte« hier nichts zu suchen, und wenn von »Muscheln« die rede ist, warum dann nicht auch von Fischen oder Korallen? Genauso hätte man auf Umweltbegriffe in derart begrenzter Form besser verzichtet, und auch Cousteau und Hass sind fehl am Platz, wenn es nur bei diesen Sätzen bleibt und andere Pioniere gänzlich unerwähnt bleiben…

In dem Buch versteckt sich eine solche Massierung von Unzulänglichkeiten, die einem an weit mehr Stellen auffallen als oben zitiert, dass vom Kauf abgeraten werden muss: Das, obwohl das meiste darin sicherlich richtig ist – doch diese Gewissheit zählt wenig, wenn man bei den Stichworten, über die man sich erst informieren will, letztlich gleiche Fehlermöglichkeiten vermutet…

Dabei hätte es auch anders sein können: Das Buch stammt schließlich aus einem Fachverlag! Hier sollte fundiertes Wissen in Hülle und Fülle vorhanden sein. Man hat hervorragende Mitarbeiter, Autoren und hoffentlich (?) nicht minder gute Lektoren. Jedenfalls fragt man sich, warum nur zwei Autoren mit dieser umfangreichen Aufgabe betraut wurden. Sie können unmöglich über alle Teilbegriffe der Taucherei so exakt informiert sein, wie es die Ausarbeitung eines derart umfassenden Lexikons eigentlich erfordert! Fazit: Schade, wirklich schade!!

Wolfgang Freihen

Ulf  König und Ingrid Fuckner:
Tauchsportlexikon
DiveLex
Tauchtechnik, Tauchmedizin, Tauchphysik, Tauchausbildung
Flexibler Harteinband mit farbigem Titelfoto, Format zirka 16×21,5 Zentimeter
712 Seiten mit vielen Abbildungen
Delius Klasing Verlag, Bielefeld, Edition Naglschmid, 2005
ISBN 3-7688-1701-6 und ISBN 978-3-7688-170-1
Preis: 29,90 Euro