Ozeane – Geheimnisvolle Meereswelten verstehen und schützen

Ein großes Kompliment dem Verlag, der hier ein besonders großformatiges Buch herausgebracht hat, das vor allem die Umwelt unserer Meere in den Mittelpunkt rückt! In der Tagespresse lässt sich bereits einiges darüber lesen, doch werden solche Beiträge leider nur allzu oft als nebensächlich empfunden. Dieses Buch zeigt durch seine Fotos, die durch das große Format besonders gut wirken, was wir im Begriff sind auszurotten oder zu zerstören, wenn wir weiterhin verfahren wie bisher. Gut geschriebene Kapitel regen zum Umdenken an. Wenn es trotzdem einiges zu bemängeln gibt, dann vor allem wegen der schlechten Übersetzung.

Zwar kenne ich nicht das französische Original, doch ist kaum vorstellbar, dass die Vielzahl sprachlicher Mängel bereits im Urtext vorhanden ist: So scheinen Begriffe wie „Sauerstoffflaschen“(S.86)  unausrottbar zu sein. Schlimmer jedoch, wenn (S. 36) die Oberfläche nicht zur Masse, sondern zur Größe ins Verhältnis gesetzt wird, was keinen Sinn ergibt. Irreführend auch die mehrfach wiederholte Behauptung (S.87/88), Haie hätten gleich fünf Mal das Auslöschen „allen Erdenlebens“, beziehungsweise „sämtlicher Arten“ miterlebt. In diesem Falle wären sie letzten Endes genauso verschwunden, und auch wir würden nicht existieren: Das Buch wäre nie erschienen! Wale (S. 119) sind ebenso wenig unsere Vorfahren, und Spitzenleistungen (S. 115) können nicht physikalischen  Gesetzen widersprechen! Die Überschrift, Korallen könnten Krebs, Alzheimer und AIDS heilen, erweckt übergroße Erwartungen, und komplett unsinnig ist schließlich die Feststellung (S. 197), Plankton reduziere die CO2-Konzentration um „mindestens das Vierfache“. Gemeint ist ein Viertel. Noch mehr solcher Stilblüten durchziehen das Buch. Hier wäre ein biologisches Fachlektorat angebracht gewesen, zumal den „normalen“ Lektoren weder solch unglückliche Wortwahl, noch falsche Bildunterschriften aufgefallen sind: So sind die „Orcas“ auf Doppelseite 83/84 in Wirklichkeit kleine Commerson-Delfine, zu denen ein gänzlich anderer Text nötig gewesen wäre, und der „Pottwal“ auf S. 117 ist in Wirklichkeit ein Buckelwal. Trotzdem empfehle ich dieses Buch ausdrücklich: Die unschönen sprachlichen Mängel können nämlich jedem Leser leicht selbst auffallen, und die insgesamt gebotene Detailfülle ist durchaus beachtlich!

Wolfgang Freihen, im Januar 2012

Latour, Françoise:
Ozeane
Geheimnisvolle Meereswelten verstehen und schützen
Harter Einband mit farbigem Titelfoto und ebensolchem Schutzumschlag, ca. 27,5×37 cm
224 Seiten mit vielen Abbildungen
Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2011
ISBN 978-3-7688-3325-7
Preis: 44,00 Euro