Näher ran! – Praxiskurs Unterwasserfotografie

Ein Buch für Neueinsteiger in die digitale UW-Fotografie, wobei versucht wird, mit so wenig theoretischem Grundlagenwissen wie möglich auszukommen. Statt dessen steigt der Autor gleich in die Praxis ein und zeigt anhand zahlreicher reizvoller UW-Fotos und kurzer Erläuterungen, was man im einzelnen tun kann, um auch seine eigenen Fotos wirkungsvoll zu gestalten und eine möglichst gute Bildausbeute aus seinem Tauchurlaub mit nach Hause zu bringen.

 

Berichtet wird darüber, wie man seine Kamera am zweckmäßigsten führt, wie man Bilder bei natürlichem Licht aufnimmt oder mit dem Blitz belichtet, und wie man beides miteinander in anspruchsvolleren Mischlichtaufnahmen vereinen kann. Ebenso werden alle möglichen Motivgruppen besprochen, wobei allerdings die Nahaufnahmen  nicht ganz richtig als Makroaufnahmen bezeichnet werden, deren Bereich – noch nach einer Festlegung aus der fotografisch analogen Zeit – erst bei den vergrößerten Abbildungsmaßstäben beginnt. Im  digitalen Zeitalter mit den erheblich verkleinerten Bildsensoren stimmt die ursprüngliche Definition wohl nicht mehr wörtlich,  gilt aber im übertragenen Sinne  noch immer. Fischportraits jedenfalls sind alles andere als Makroaufnehmen!

 

Außerdem werden – wenn auch nur kurz gefasst – die gängigen Regeln der Bildgestaltung herausgearbeitet. Es wird darüber berichtet, wie man sein Motiv frei stellt und die optischen Massen am zweckmäßigsten verteilt. Unverständlich jedoch die Darstellung des Goldenen Schnittes auf Seite 19: Intuitiv ist das Bild wohl fast regelkonform und auch gut gestaltet. Die im Bild dargestellte Linie als „Erklärung“ ist jedoch dermaßen „toll“ gezeichnet, dass danach keiner den Goldenen Schnitt versteht! Richtig wäre gewesen, diese Linie im oberen Bildteil einzuzeichnen und auch die zweite, senkrechte Linie gehört unbedingt mit dazu. Erst dann nämlich lässt sich erkennen, dass sich beide Linien fast im Zentrum des wichtigsten Bildelementes treffen, um dadurch die Spannung im Bild zu erhöhen. So wird das Wesen des Goldenen Schnittes auf Anhieb erkannt. Auch bei einigen der doppelseitigen Fotos wäre es besser gewesen, im Bildaufbau dem Goldenen Schnitt zu folgen, statt zentral gestaltete Fotos zu wählen: So nämlich führt der unvermeidbare Seitenknick exakt durch die bildwirksamsten Partien, wodurch der ursprünglich gute Bildeindruck leider verloren geht… Schön wäre auch gewesen, wenn (S. 28) nicht der Eindruck erweckt würde, heutige Digitalkameras würden verzögerungsfrei auslösen. Trotz dieser kritischen Anmerkungen ist das Buch durchaus empfehlenswert, gibt es dem Anfänger doch eine Menge anderer, guter Tipps für bessere Bilder.

Wolfgang Freihen

 

Frank Schneider:
Näher ran!
Praxis Unterwasserfotografie
Broschiert mit farbigem Titelfoto, Format zirka 17×21,5 Zentimeter
128 Seiten mit 110 Farbfotos
Franckh-Kosmos Verlag Stuttgart, 2010
ISBN 978-3-440-12165-8
Preis: 19,95 Euro