Unbekannter Planet

Die erstaunliche Vielfalt unserer Tierwelt

Ein Buch, das man aufgrund seiner über 500 phantastischen Farbfotos ebenfalls als Bildband bezeichnen kann, das jedoch wegen seiner tiefschürfenden Texte weit mehr ist!! Es geht dabei um die Evolution. Die  Geschichte des Lebens blickt immerhin rund 500 Millionen Jahre zurück.  Damals entwickelten sich in aquatischen Lebensräumen die  ersten Einzeller, aus denen im Laufe der Zeit all die anderen unzähligen Pflanzen- und Tierarten entstanden sind. Wie viele es wirklich waren, beziehungsweise sind, werden wir nie erfahren, und wir kennen auch noch längst nicht die ökologische Bedeutung all dieser bunten Artenvielfalt.

Bisher wurden etwa 1,5 Millionen Tierarten identifiziert, aber begründeten Schätzungen zufolge sind es höchstwahrscheinlich 10 bis zu 200 Millionen verschiedener Spezies! Das heißt, trotz intensiver Forschungen schürfen wir seit zweieinhalb Jahrhunderten noch immer an der Oberfläche! So stellt die bekannte Fauna insgesamt nur etwa 0,03 bis 0,6% der Tierwelt insgesamt dar, und die uns am besten bekannte Welt der Wirbeltiere macht nur den geringsten Prozentsatz aus. Dabei stellen wir uns im Allgemeinen bislang vor, dass sich das   Leben von seinen allerersten Anfängen immer weiter nach oben entwickelte, sodass schließlich wir selbst als „Krone der Schöpfung“ erscheinen.
Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass das noch heute nach wie vor vielgebrauchte System von Linné keinesfalls so perfekt ist, wie wir annehmen, sondern gleich aus mehreren Gründen nicht richtig sein kann: Natürlich war der schwedische Arzt und Naturforscher 1735, als er mit seinem System der Natur begann und die wissenschaftliche Nomenklatur entwickelte, dem Denken seiner Zeit unterworfen. Die Religion spielte dabei eine große Rolle und die heutigen Möglichkeiten der Forschung standen ihm nicht zur Verfügung. Heute wissen wir, dass es bei der Entwicklung der einzelnen Lebensarten keine vorbestimmte Richtung gibt, dass sich einzelne Arten durchaus auch rückentwickeln können, und verwandtschaftliche Verhältnisse erscheinen in gänzlich neuem Licht.
Das Buch zeigt nun den Lebensbaum so, wie die verwandtschaftlichen  Verhältnisse, die Stämme, Familien und Arten tatsächlich sind. Es weist auf die positiven Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Arten hin, um die Natur im Gleichgewicht zu halten. Es geht also insgesamt nicht nur darum, den Artenreichtum aufzuzeigen und zu verstehen, sondern vor allem auch zu schützen, um das gesamte Lebenssystem, wie es sich trotz aller Umweltsünden noch immer darstellt, zu bewahren und zu schützen, um letztlich auch uns selbst ein Weiterleben zu ermöglichen!
Immerhin sind wir gegenwärtig mit dem Gegenteil beschäftigt. Unser menschliches Handeln, vor allem der CO2-Anstieg und die zunehmende Versauerung der Meere, die Umweltverschmutzung, die Abholzung der Urwälder usw. haben zum stärksten Artensterben geführt, das unsere Erde je erlebt hat. Der Ausgang ist offen. Aber lesen Sie das Buch selbst. Und schauen Sie sich diese Bilder an! Es ist nicht nur ein ästhetischer Genuss, diesen Fotos zu folgen, die zumeist dem aquatischen Lebensraum entstammen. Sie warten teilweise mit Details auf, die wir im Allgemeinen noch nie so gesehen haben, da dafür zu starke Vergrößerungen erforderlich sind. Viele Fotos sind mit dem Mikroskop, andere gar rasterelektronenmikroskopisch aufgenommen. Dadurch wird  ein unvergleichlicher Formenreichtum sichtbar, eine Schönheit und eine  Ästhetik, wie man sie sich reizvoller kaum vorstellen kann. Ein ganz besonders empfehlenswertes Buch!!

Wolfgang Freihen

Piper, Ross:
Unbekannter Planet
Die erstaunliche Vielfalt unserer Tierwelt
Harter Einband mit farbigem Titelfoto und farbigem Schutzumschlag
Format ca. 25 x 29 cm
320 Seiten mit mehr als 500 Abbildungen
Konrad Theiss Verlag, Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG, Darmstadt, 2014
ISBN 978-3-8062-2913-4