Blind Dates

Das große Buch der Haibegegnungen

Ein großartiges Buch, in dem das Wissen und die Erfahrungen aus 35.000 Haibegegnungen stecken, die nicht etwa die beiden Autoren selbst hatten, sondern sie stammen von insgesamt 25 Personen, versierten Sporttauchern, UW-Fotografen, Filmemachern, Tauchbasenbesitzern, Zoologen usw., die hier zusammengetragen wurden. Diese Autoren werden im Einzelnen vorgestellt, und das Buch ist so gestaltet, dass bestimmte Verhaltensweisen gezielt nachgefragt und dann von den einzelnen Experten beantwortet werden. So entsteht ein recht umfassender Überblick aus dem Leben und im Umgang mit diesen Tieren. Allerdings will das Buch kein wissenschaftliches sein, darauf wird wiederholt verwiesen – kann es auch nicht, denn dafür sind selbst 35.000 Begegnungen viel zu gering, um zu abschließenden Antworten zu gelangen, aber es ist doch ein Buch, das einen jeden interessieren muss, der selbst das Tauchen als Sport betreibt – gleichgültig, ob es sich dabei um absolute Neulinge oder erfahrene Taucher handelt. Aus den über 500 verschiedenen Arten werden diejenigen vorgestellt, denen man beim Tauchen am häufigsten begegnet. Ihre Verbreitung wird ebenso kommentiert wie ihre bevorzugten Beutetiere und ihr Verhalten gegenüber Schnorchel- oder Gerätetauchern, Schwimmern und Surfern. Das Wichtigste zur Anatomie und den besonderen Sinnesleistungen dieser Tiere werden beschrieben. Es geht um ganz normale Begegnungen, um das gezielte Anlocken und um Haifütterungen, es geht um unser richtiges Verhalten diesen Tieren gegenüber, aber auch um die Ursachen der äußerst seltenen Haiangriffe und Unfälle, und wie man diesen vorbeugen, bzw. begegnen kann. Gerade diesen Fakten wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Ebenso ist die Rede von der wirtschaftlichen Bedeutung der Haie, dem überbordenden Haifischfang und dem schrecklichen Finning, aber auch von der ökologischen Bedeutung dieser Tiere wird gesprochen, ihrem notwendigen Schutz, vom „Sharkproject“ ist die Rede, von seiner Entstehung und den verschiedenen Aktionen dieser Schutzorganisation.

Etwas unglücklich lediglich der Umstand, den Hass`schen Schrei zur Abwehr von Haiattacken anhand der äußerst geringen Geräuschentwicklung bei der Benutzung von Rebreathern (S. 77) erklären zu wollen. Dazu gibt es nämlich zunächst keinerlei Verbindung: Das erste Sauerstoffgerät von Hass wurde 1941 entwickelt. Die Wirksamkeit des Schreis hat er jedoch schon 1939/40 auf seiner Karibikreise (s. sein Buch „Unter Korallen und Haien“) zufällig entdeckt, bei der ohne Atemgerät und nur mit angehaltenem Atem getaucht wurde. In der Ägäis 1942, als das Kreislaufgerät erprobt wurde (s. „Menschen und Haie“), musste er erfahren, dass der Schrei dort nicht wirkte. Ursache waren die durch Dynamitfischer ausgelösten Explosionsgeräusche, die die Haie sogar regelrecht anlockten… Die nur bedingt wirkungsvolle Bedeutung des Schreis hat er also bereits selbst erkannt und einwandfrei dokumentiert.

Schön wäre schließlich gewesen, die Seitenansichten der insgesamt 22 vorgestellten Arten so zu zeichnen, dass sie der Wirklichkeit entsprechen, statt durchweg nur einen einzigen stilisierten Seitenriss zu haben, an dem die jeweiligen Größen dargestellt werden. Ungeachtet dessen ist das vorliegende Buch jedoch ohne weitere Einschränkungen zu empfehlen! Es ist – wie im Untertitel bezeichnet – wirklich ein Buch der Haibegegnungen und dazu völlig anders als alle anderen. Zudem lassen sich viele Apps anklicken und Videofilme zu den einzelnen Kapiteln anschauen. Einfach großartig!!

Wolfgang Freihen

Wegner, Gerhard / Gstöttner, Christine:
Blind Dates
Das große Buch der Haibegegnungen
Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 22 x 30,2 cm
248 S. mit sehr vielen Abb.
Verlag Sharkproject, Offenbach, 2014
ISBN 978-3-00-043676-5
Preis: 39,95 €