Bedrohte Paradiese

Produkt-Information

Ein bemerkenswertes Buch, selbst wenn das Wort von den Paradiesen zu weit gegriffen ist: Alle hier beschriebenen Reisegebiete haben nämlich längst ihre Unberührtheit verloren, auch wenn man die schönsten Stellen davon betrachtet! Trotzdem ein ausgezeichnetes Buch, und das schon rein vom Äußeren her: Das große Format mit dem Titelbild wirkt ansprechend. Hinzu kommen all die Fotos im Innern, ein perfektes Gesamtlayout, und schließlich lässt sich auch der informative Text, der kaum Wünsche offen lässt, leicht und flüssig lesen. Es werden die Schönheiten vor Ort und unter Wasser beschrieben.

Und bald wird deutlich: Wir haben kein reines Umweltbuch vor uns, sondern zunächst „nur“ einen weiteren Tauchreiseführer, doch ein Buch, das Vorbildfunktion besitzt! Es ist ein Tauchreiseführer der Sonderklasse, an dem sich andere Reiseschriftsteller durchaus orientieren sollten! Anders nämlich als in „normalen“ Bänden dieser Art wird nicht nur auf das Reizvolle an Ort und Stelle hingewiesen, sondern gleichermaßen werden so ziemlich alle ökologischen Negativpunkte angesprochen, die man vor Ort sehen und erleben kann, Umweltsünden also, zu denen zumeist auch das notwendige Hintergrundwissen miterzählt wird. Es ist wichtig, solche Dinge zu diskutieren, und das gerade auch in der Reiseliteratur!

Hier nun also halten wir endlich ein Buch in den Händen, wie heutzutage alle moderne Tauchreiseführer aussehen müssten. Die Umweltsünden, von denen hier Rede ist, lassen sich im Prinzip überall entdecken – egal, wohin man reist. wenn auch in anderer Ausprägung. In diesem Buch jedoch werden sie durch die Konzentration auf nur sieben sogenannte und weit voneinander entfernte „Paradiese“ sehr viel greifbarer: So ist von der stets weiter anwachsenden Weltbevölkerung die Rede, auf die sich letztlich alle Umweltschäden zurückführen lassen, ebenso die oft anzutreffende Armut an Ort und Stelle und vieles andere mehr. Es ist der schier unbegrenzt wuchernde Massentourismus, die Zuzementierung und Verbauung ganzer Küstenstriche, die illegale Ablagerung von Bauschutt. Es ist von Mülldeponien und weiteren Bauruinen selbst inmitten von Naturschutzarealen die Rede, ebenso von der Einleitung nicht genügend geklärter Abwässer, vom Finning der Haie, dem Fischen mit Gift und anderen Ungeheuerlichkeiten, der Vernichtung ehemaliger Mangrovenwälder und vielen anderen Missständen, Es geht um Korruption, das mangelnde Wissen der Verantwortlichen vor Ort, die nicht vorhandene Koordination zwischen Behörden, das mangelnde Verständnis oder die Gleichgültigkeit und das nicht vorhandene Durchsetzungsvermögen, aber auch die Überforderung der Einheimischen mit den anfallenden Müllbergen, die wir hinterlassen und vieles andere mehr.

Aber da sind auch die viel zu wenigen, meist winzigen und nicht miteinander vernetzen Schutzzonen der Meere zu nennen, ebenso die Souvenirjagd, der Vandalismus und Ankerschäden oder das oft unbeabsichtigte und doch geduldete Fehlverhalten der Urlauber selbst. Letztlich geht es jedoch nicht darum, nur vorhandene Missstände vor Ort anzuprangern, sondern Wege zu finden, die aus diesem Dilemma herausführen, Lebensräume für die Natur zu erhalten und dem Artenschwund entgegenzuwirken. Dabei gilt es auch, an die Umweltsünden zu denken, die wir bereits daheim begehen: Meeresschutz beginnt nicht erst an Ort und Stelle, sondern bei uns zu Hause – denken wir nur an die Klimaerwärmung und Versauerung der Meere… Das Buch endet mit einer Zusammenstellung der in den besprochenen Tauchgebieten tätigen Schutzorganisationen. Ein sehr nachdenklich stimmendes und empfehlenswertes Buch, dem ich möglichst viele Auflagen wünsche!!

Wolfgang Freihen, im Januar 2013

Johannes Höflich / Robert Hofrichter:

Bedrohte Paradiese
Harter Einband mit farbigem Titelfoto, Format ca.23,5 x 27,5 cm
192 Seiten mit vielen Farbfotos
Pietsch Verlag, Stuttgart, 2012
ISBN 978-3-613-50686-2
Preis: 29,90 Euro