Lusoria – Ein Römerschiff im Experiment

Die Schiffsarchäologie beschäftigt sich nicht nur mit unter Wasser gefundenen Wracks, sondern auch solchen, die z.B. bei Ausschachtungen an Land ausgegraben wurden, so z.B. mit den fünf Römerschiffen von Mainz und den beiden Flusskriegsschiffen von Oberstimm nahe Ingolstadt. Die dendrologische Untersuchung der Mainzer Schiffe ergab, dass die Bäume dazu in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts geschlagen wurden. Alle Schiffe gehörten einer neuen Generation einreihiger, schlanker Ruderfahrzeuge von etwa 20 Meter Länge mit Zusatzbesegelung an, eben den Lusorien, die ganz auf Geschwindigkeit und gute Manövrierbarkeit ausgelegt waren. Mit ihnen suchte man die Flussgrenzen des Römischen Reiches entlang des Rheins und der Donau mit ihren Nebenflüssen zu kontrollieren und zu sichern. Die gefundenen Holzreste wurden exakt vermessen und konserviert, und der spätere Nachbau sollte mehr Klarheit über die Konstruktion, den Bau und die Wirksamkeit dieser Boote bringen.

Das Buch setzt sich detailliert mit allen Rekonstruktionsproblemen und dem Schiffsbau auseinander, wozu allein 4300 Nägel handgeschmiedet wurden.  Es wird gezeigt, wie eine regelrechte Serienfertigung aufgelegt und zahlreiche Schiffe innerhalb weniger Monate gebaut werden konnten. Es folgen erste, zunächst nur geruderte Erfahrungen auf dem Wasser, gefolgt von solchen unter Segel, wobei nicht nur mögliche Geschwindigkeiten, sondern auch die Beschleunigung und die Steuerfähigkeit untersucht wurden, und es werden Untersuchungen auf das spätantike Verteidigungskonzept mit den Lusorien angestellt. Eine spannend erzählte Geschichte, die diese Boote lebendig werden lässt. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis beschließt dieses lesenswerte Buch.

Wolfgang Freihen, im Dezember 2012

Christoph Schäfer:
Lusoria
in Römerschiff im Experiment
Harter Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 21,5 x 27,5 cm
128 S. mit sehr vielen Abbildungen
Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg, 2008
ISBN 978-3-7822-0976-2
Preis: 9,95 Euro