Handbuch Technisches Tauchen

Das derzeit mit Abstand beste Buch zum Technischen Tauchen! Die drei französischen Autoren sind ausgesprochene Kenner ihres Faches: Patrice Strazzera z.B. ist der bekannteste Wracktaucher seines Landes, Pascal Bernabé ist dagegen spezialisiert aus Höhlentauchen und stellte 2005 mit beachtlichen 330 Metern einen neuen Weltrekord im Tieftauchen auf, während François Brun schließlich staatlich geprüfter Tauchlehrer ist, IANTD-Nitrox- und Trimix Instructor und MF2 des französischen Tauchverbandes FFESSM.

Für die vorliegende Ausgabe ist auch der Übersetzer dieses Buches, Jérôme Grimm besonders hervorzuheben: Er beherrscht nicht nur unsere Sprache, sondern ist gleichermaßen vom Fach, kennt den Markt unseres Sprachbereiches aus dem FF, wodurch das Buch noch interessanter wird, denn er gibt mit seiner zusätzlichen Bearbeitung auch noch wertvolle Tipps, wo dieses oder jenes Sonderausrüstungsteil erhältlich ist. Mit von der Partie schließlich der bei uns bekannte Jens Hilbert, der das Vorwort verfasst hat. In der Tat – ein herausragendes Werk und ein ausgesprochener Glücksgriff für den Verlag!

Berichtet wird von den Anfängen des Technischen Tauchens bis zur Gegenwart, und in didaktisch ausgezeichneter Art und Weise werden die recht komplizierten Grundlagen verständlich gemacht. Das betrifft nicht nur die Tauchphysik, sondern vor allem geht es dabei um die physiologischen Zusammenhänge, die Vorteile des Mischgastauchens gegenüber dem Tauchen mit normaler Pressluft, welche Wirkung die einzelnen Atemgase haben, wie man die erforderlichen Gasgemische für die entsprechenden Tiefenbereiche berechnet und zusammenstellt, und natürlich geht es auch um die gesamte Tauchgangsplanung. Ebenfalls werden die verschiedenen Dekompressionsstrategien und die dafür sinnvollsten Atemgase diskutiert, und bis ins Detail finden wir alles über die notwendigen Tauchgerätschaften und ihre sinnvolle Konfiguration. Ausführlich wird dabei auf die Atemgeräte eingegangen, auch auf offene Systeme, aber ganz besonders werden die halboffenen und geschlossenen Rebreather besprochen, wobei deren unterschiedliche Konstruktionsmerkmale einer derart detaillierten Begutachtung unterzogen werden, wie wir das aus anderen Büchern des gleichen Metiers bisher nicht kennen. Ihre Vor- und Nachteile werden herausgearbeitet und auch die sich eventuell daraus ergebenden Gefahrenmomente…

Ausführlich wird über die „Königsdisziplinen“ des Technischen Tauchens gesprochen, über die Besonderheiten des Tauchens in so genannten „Overhead Environments“, d. h. in Wracks und Höhlen und den dabei erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen. Weiterhin erfahren wir alles Notwendige über die unterschiedlichen Ausbildungsorganisationen, die jeweiligen Kurse, ihre Dauer und Besonderheiten, und am Ende des Buches findet sich ein Glossar, das man sinnvollerweise noch um einige Abkürzungen und Begriffe erweitern sollte.

Es gibt wohl kein Buch ohne kleine Fehlerchen, so auch hier. Glücklicherweise halten die sich in Grenzen. Das Unangenehme jedoch, dass sie sich ausgerechnet in farblich unterlegten Merkkästen befinden, wo sie Verwirrung stiften können. Der erste (S. 81) entpuppt sich lediglich als Tippfehler. Her müsste es nicht 200, sonder 230 bar wie auch in der anschließenden Rechnung heißen, und auf Seite 84 müsste der Satz richtig heißen: „In 2.134 Meter Höhe liegt der Umgebungsdruck bei 0.81 bar…“ etc. Trotz dieser Schlussbemerkung liegt hier – alles in allem – ein exzellentes Buch vor, das mit seinem Text, den Tabellen und Merksätzen nicht nur die Grundlagen des Technischen Tauchens hervorragend vermittelt, sondern dazu auch noch gut bebildert ist und mit interessanten Beispielen aus der Praxis aufwartet. Sehr empfehlenswert!!

Wolfgang Freihen

François Brun, Pascal Bernabé, Patrice Strazzera:
Handbuch Technisches Tauchen
Harter Einband mit farbigem Titelfoto, Format zirka 17×24,5 Zentimeter
349 Seiten mit vielen Abbildungen, Tabellen und Merkkästen
Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart, 2009
ISBN 978-3-275-01678-5
Preis: 39,90 Euro