So geht Tauchen – Kinder entdecken die Welt unter Wasser

Eine ausgezeichnete Idee, unserem Nachwuchs das Tauchen näher zu bringen! Wenn sich dabei der „Seehund Horst“ als Tauchlehrer vorstellt, dann sollte er jedoch seiner Aufgabe gerecht werden und keinen Unsinn erzählen. Nicht die kindliche Sprache steht bei einem solchen Buch im Vordergrund, sondern zunächst einmal müssen die Fakten stimmen und es gehört didaktisch gut aufgebaut. Doch davon scheinen weder der Textautor, noch die beiden Lektoren oder der Verlag eine Ahnung zu haben! Sonst könnte das Buch nicht bereits im Einbandtext als solches für Sechsjährige empfohlen werden – schließlich lernen da unsere Kleinen gerade Mal das Lesen…

Es ist auch nicht damit getan, seine Sprösslinge davon abzuhalten, im Baggersee Gerätetauchen spielen zu lassen, wenn doch alles so „einfach“ sein soll! Vielmehr gehört unmissverständlich klar gestellt: Gerätetauchen ist gefährlich! Um es zu lernen, muss man erst eine Tauchschule besuchen! Ab welchem Alter das geht und wohin man sich wenden kann, gehört dargelegt. Doch davon ist keine Rede, und wenn man schon Feuerwehr-, Höhlen- und Offshore-Taucher vorstellt, sogar vom UW-Training der Astronauten und der Arbeit von UW-Archäologen berichtet, dann muss in einem solchen Buch auch ein Tauchlehrer zu Wort kommen! Der kann in Kurzform berichten, wie ein Kurs abläuft und was es alles zu lernen gibt. Bevor man das beherrscht, wird nur geschnorchelt! Auch da gibt es mehr zu erklären als die ABC-Ausrüstung und wie man sie benutzt. Nebenbei bemerkt, müsste es dabei eigentlich richtig heißen: Die Nase ist deshalb mit in der Tauchermaske eingeschlossen, um einen Druckausgleich ausführen zu können. Die Erklärung, damit kein Wasser hinein läuft, ist lächerlich! Dann gehören Tauchanzug und Bleigürtel erklärt, um die Grundausrüstung zu komplettieren.

Dass normale Kleidung zum Tauchen ungeeignet ist, versteht jeder. Doch nicht aus dem Grund, weil sie nicht wasserdicht ist. Nasstauchanzüge sind es schließlich auch nicht. Trotzdem isolieren sie hervorragend! Ebenso ist die Aussage falsch, dass Bleigurt und Jacket quasi den „Aufzug“ eines Tauchers darstellen. Wobei ihn das Blei nach unten und das Jacket nach oben bringt. Solche Aussagen gehen meilenweit an der Wirklichkeit vorbei! Wo hat der Seehund-Tauchlehrer wohl solches „Wissen“ her?? Und wer hat ihm taucherisches Rechnen beigebracht?

Um eine halbe Stunde unter Wasser zu bleiben, muss man nicht nur so viel Luft dabei haben, wie in eine Badewanne passt! Da kommt es neben vielen anderen Faktoren auch ganz besonders auf die Tiefe an. Das wird neben anderem völlig außer Acht gelassen. Nein, im, ersten Kapitel wird derart viel Unsinn verzapft – weit mehr als hier aufs Korn genommen, dass man das Buch keinesfalls empfehlen kann! Wenn bei den Offshore-Tauchern, die bis zu 400 Meter Tiefe arbeiten, ausgesagt wird, dass sie sterben müsste, wenn ihnen beim Auftauchen die Luft ausginge, dann ist das einerseits wohl richtig, andererseits aber eine derart blödsinnige Aussage, dass sich jeder Kommentar erübrigt!

Ein Kinderbuch auszuarbeiten, geht halt nicht „nebenher“. Wenn selbst den beiden Lektoren die grundsätzlichen Fehlinformationen im ersten Kapitel genauso wenig auffallen, wie die oft geradezu grauenhafte Interpunktion und die Fehler bei den Bilderklärungen des letzten Teils, dann ist da mehr fehl gelaufen, als man sich als Verleger leisten kann! Trotzdem gibt es auch einiges Positives auszusagen: Die übrigen Kapitel aus den verschiedenen Tauchbereichen sind gut ausgewählt und überwiegend akzeptabel. Das Layout samt Bebilderung sind sogar perfekt(!), selbst wenn das Jacket zu Anfang des Buches auf dem Kopf steht…

Wolfgang Freihen, im Januar 2006

Priboschek, Andrej / Lörwald, Marina und Reinhard:
So geht Tauchen
Kinder entdecken die Welt unter Wasser
Harter Einband mit farbigem Titelbild, ca.              
96 Seiten mit einigen Abbildungen
Müller Rüschlikon Verlag, Cham, 2005
ISBN 3-275-01523-0
Preis: 14,90 Euro