Antarktische Wildnis: Südgeorgien

Die beiden Autoren sind miteinander verheiratet, befahren seit 25 Jahren die Weltmeere mit ihrem nur 9,30 Meter „großen“ Segelboot. So sind sie zum wiederholten Male nach Südgeorgien gekommen, wo sie diesmal für ein ganzes Jahr bleiben wollen, auch über die Winterzeit hinweg. Daraus wurden insgesamt 26 Monate – eine großartige Angelegenheit, denn es gehört schon eine Menge dazu, in dieser Abgeschiedenheit auf sich alleine gestellt bei niedrigen, oft eisigen Temperaturen, stürmischen und unwirtlichen Wetterunbilden zurechtzukommen!

Selbst im Sommer steigt das Thermometer gerademal auf 10 °C. Dazu ist die Insel fast menschenleer. Nur wenige Wissenschaftler des British Antarctic Survey sind hier stationiert. Die 130 km lange, gebirgige und vergletscherte Insel befindet sich im südlichen Atlantik, 1400 km vom nächsten Kontinent entfernt. Sie gehört wie die Falklandinseln zum britischen Überseegebiet, wird ebenfalls von Argentinien beansprucht und befindet sich am Rand der maximalen Wintereisgrenze rund um die Antarktis.
Vor 100 Jahren sah es hier ganz anders aus: 1904 entstand auf dieser Insel die erste industrielle antarktische Walfangstation, der bald weitere folgten. An die 1000 Menschen waren dann damit beschäftigt, die ehemals reichen Bestände an Buckelwalen innerhalb von nur 10 Jahren total zu plündern, und anschließend ging auch der übrige Walfang immer weiter zurück, bis 1965 alle Fangstationen geschlossen wurden. Bis heute hat sich der Walbestand nicht erholt, und ohne diese Tiere versank Südgeorgien wieder total aus dem Blickwinkwl der Welt, sodass man Bilder von dort nur selten zu Gesicht bekommt. Daher kommt diesem Buch ganz besondere Bedeutung zu!
Nach dem Abzug der Menschen stabilisierte sich an Land wieder tierisches Leben: Der gesamte Küstenbereich ist voll davon und zeigt in Frühjahr und Sommer die höchste Dichte an Vögeln und Säugetieren, die allesamt vom Meer leben. So gibt es hier die größten Brutgebiete von Königspinguinen, auch Albatrosse und viele andere Seevögel in ungeheurer Anzahl. Hinzu kommen Millionen von Seeelefanten, Pelz- und Weddellrobben und einzelne Seeleoparden. Die Natur hat die Insel zurückerobert, und gegenwärtig werden Anstrengungen unternommen, die Insel auch wieder total rattenfrei zu bekommen, um ihr die Ursprünglichkeit so weit wie möglich wieder zurückzugeben. Unter Wasser geht allerdings der menschliche Raubbau weiter: Waren es einst die Wale, so ist es jetzt der Krill, der in riesigen Mengen aus dem Meer gesaugt wird: Das menschliche Gierverhalten ist also trotz des mittlerweile gestiegenen Umweltbewusstseins ungebrochen und wendet sich lediglich anderen Zielen zu…
Das vorliegende Buch hat – wenn auch ursprünglich nur als Bildband gedacht –weitaus mehr zu bieten. Es ist ein Umweltbuch, in dem u.a. gezeigt wird, wie sich das Leben auf einer Insel, auf der einst nicht nur Wale, sondern auch Robben und Pinguine in unvorstellbarem Maße dahingemordet wurden, wieder vortrefflich entwickeln kann, wenn der Mensch hier keine Rolle mehr spielt. Die einzigartigen, teilweise atemberaubenden Fotos spiegeln die landschaftlichen Reize dieser überaus gebirgigen Insel zu allen vier Jahreszeiten wider und zeigen eine urwüchsigen Natur mit ihrem überaus reichen Tierbestand. Gleichzeitig bekommt man auch einen Eindruck davon, wie die ehemaligen Walfangstationen heute aussehen. Dazu finden sich neben informativen Textabschnitten (besonders zum Walfang) interessante Auszüge aus den Tagebüchern der Autoren, sodass auch Momenteindrücke von den 26 Monaten Aufenthalt für den Leser greifbar werden. Ein beeindruckendes, gut zu lesendes und rundum empfehlenswertes Buch!!

Wolfgang Freihen

Matzen, Thies / Ericson, Kicki:
Antarktische Wildnis
Südgeorgien
Ganzleinen mit Titelprägung und farbigem Schutzumschlag
Format ca. 31 x 26,5 cm quer
Bildband mit 168 Seiten und sehr vielen großformatigen Farbfotos
Mareverlag, Hamburg, 2014
ISBN 978-3-86648-230-2
Preis: 58,00 €