Schätze auf dem Meeresgrund – Atlas versunkener Schiffe

Das Buch wurde schon einmal von einem anderen Verlag herausgebracht, wobei gegenüber der heutigen Ausgabe lediglich Haupt- und Untertitel miteinander vertauscht waren. Ansonsten ist alles gleich geblieben. Bedauerlich eigentlich, denn an sich sollte man als Verleger wissen, dass sich in zehn Jahren eine Menge ändern kann, und deshalb wäre es für ein Sachbuch (!) wie diesem unbedingt angebracht gewesen, es erst einmal einem Fachlektorat zu unterziehen. Dabei wäre dann aufgefallen, dass z.B. die Ausführungen über die digitale Fotografie (S. 40) in dieser Form keinesfalls mehr haltbar sind, und gleichzeitig hätte man auch all die anderen „Klopse“ ausmerzen können, die mich schon damals beim Lesen der ersten Ausgabe störten, die im Wesentlichen den Übersetzern anzulasten sind. Auch damals wurde also schon am falschen Ende „gespart“…

Davon nur die gravierendsten Stilblüten: 
So steht z.B. als Bildunterschrift auf S. 9, dass Seeleute bis zum 18. Jahrhundert keine Möglichkeiten hatten, „Längenmaße“ zu bestimmen. Richtig müsste es heißen, dass man damals die geographische Länge noch nicht orten konnte. Dazu hätte man als Erklärung anbringen können, dass zu dieser Zeit verlässliche Schiffschronometer fehlten…
Beim Taucherprofil des Jacques Cousteau (S.24) geht die Darstellung über die Erfindung der „Aqualunge“ total daneben: Da wurde nämlich keine Gasanschluss aus einem gasgetriebenen Auto in den Automaten eingebaut, sondern ein Ventil aus einem Holzvergasermotor (da haben wir sogar das deutsche Wort!) wurde so umgebaut, dass daraus die „Aqualunge“ entstand.
Auf S. 29 bedient man sich einer anderen unpassenden Ausdrucksweise: Bei einer Tauchglocke wird nicht aus einem „Luftloch“ geatmet. Vielmehr verkleinert sich das darin ursprüngliche Luftvolumen durch den steigenden Wasserdruck beim Absenken, und aus diesem Restvolumen wird dann geatmet. Ebenso nimmt der Druck nicht alle neuen, sondern alle zehn Meter um eine Atmosphäre – oder, wie wir heute sagen – um rund ein Bar zu.  
Auf S. 50 wird schließlich gesagt, dass gefundene Bronze- und Kupferbarren auf dem Meeresboden zusammen „geschmolzen“ seien. Auch das wieder die absolut falsche Wortwahl – zusammen gebacken wäre richtiger gewesen…
 
So geht es in dem Buch an vielen Stellen weiter. Das ist außerordentlich bedauerlich, denn an sich wäre es ohne all diese sprachlichen Verirrungen ein wunderschönes Buch, das in die Schiffsarchäologie einführt. Auch die Kapitel und die einzelnen Abbildungen sind gut gewählt. Die Mängel sind durch die schlechte Übersetzung und dadurch entstanden, ein Fachlektorat „sparen“ zu wollen. Schade, lieber Verlag, ich hätte gerne eine schönere Rezension geschrieben, die das Buch ansonsten auch durchaus verdient hätte…
Wolfgang Freihen
 
Angus Konstam:
Schätze auf dem Meeresgrund
Atlas versunkener Schiffe
Fester Einband mit farbigem Titelbild, Format zirka 23×30,5 Zentimeter
192 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen
Verlegt bei tosa im Verlag Carl Überreuter, Wien, 2009
ISBN 978-3-85003-329-9
Preis: 9,95 Euro