Freitauchen – Schwerelos in die Tiefe

Der Autor Christian Redl ist ein bekannter Apnoe-Taucher und mehrfacher Weltrekordhalter. Auf diese Rekorde geht er jedoch nur beiläufig ein. Satt dessen beschäftigt sich das Buch überwiegend damit, wie sehr jeder einzelne seine ganz persönlichen Leistungen im Zeit-, Strecken- und Tieftauchen verbessern kann. Ganz besonders weist er dabei auf die erforderlichen mentalen Stärken hin, die sich genauso trainieren lassen wie auch die Atemtechniken, die Bewegungsabläufe und der richtige Umgang mit der Ausrüstung. Das Buch enthält denn auch sehr gute Trainingshinweise, um die eigenen Fertigkeiten zu steigern.
Andererseits wird davor gewarnt, den Schnorchel beim Abtauchen im Mund zu behalten (S. 90) und es wird (S. 94) darüber berichtet, dass beim Auftauchen bereits die Blickrichtung (nach oben) einen gefürchteten Blackout leichter herbeiführen kann. Dazu wären einige tiefer schürfende Erklärungen angebracht, denn es ist fraglich, ob diese Behauptungen überhaupt haltbar sind. Ebenso wäre es angebracht gewesen, für Tauchanfänger die physikalischen Grundlagen, soweit sie das Freitauchen betreffen, etwas besser darzulegen. Dann wäre dem Autor möglicherweise auch keine derart unsinnige Stilblüte – wenn auch im Zusammenhang durchaus richtig gemeint – wie auf S. 136 unterlaufen: „Trotz der Abnahme von Druck mit zunehmender Tiefe…“ 
 
Was mich allerdings mehr stört, ist die Bebilderung des Buches. Es gibt wohl ausgezeichnete Bilder dabei. Die sind allerdings dem Buch eines anderen Verlages entnommen: Erst 2006 unter dem gleichen Haupttitel „Freitauchen“ erschienen, beschäftigte sich dieses Buch – wenn auch in anderer Art und Weise – ebenfalls mit den herausragenden Leistungen des Christian Redl. Siehe dazu die damals recht gut ausgefallene Rezension bei den „scubanova“-Buchbesprechungen. Die meisten anderen, monochrom blaugrauen Fotos weisen jedoch keine ausreichenden Kontraste auf und wirken dadurch saft- und kraftlos. Viele sind schlecht aufgenommen, andere schlecht nachbehandelt oder gar beides, weisen in den Schattenpartien keine gute Durchzeichnung auf oder erscheinen unscharf. Solche Fotos erfüllen nicht die heutigen Qualitätsansprüche. Dazu werden einige doppelseitig gebrachte Bilder zudem durch den Seitenknick, der mitten durch bildwirksame Elemente führt, noch zusätzlich verunstaltet. Auch die Zeichnung des Flossenweges auf S. 78 überzeugt nicht: Da liegend dargestellt, stimmt die Beschriftung  nicht, und auch der Kräfteverlauf ist nicht richtig dargestellt. Da gehört doch einiges grundsätzlich verbessert!
Wolfgang Freihen
 
Christian Redl:
Freitauchen
Schwerelos in die Tiefe
Harter Einband mit farbigem Titelfoto, Format zirka 17,5×24,5 Zentimeter
144 Seiten mit 96 Abbildungen
Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart, 2009
ISBN 978-3-275-01715-7
Preis: 19,95 Euro