Evolution

Band Nr. 50 der „memo“-Buchreihe „Wissen entdecken“. Es ist an sich eine Kinder- und Jugendbuchreihe, die sich derzeit aus rund 70 verschiedenen Bänden zusammensetzt, die alle sehr gut und reichlich bebildert sind, didaktisch gut aufgebaut und jeweils mit einem Riesenposter versehen, sodass man sein jeweiliges Lieblings- oder das gegenwärtige Interessenthema auf einen Blick überschauen kann. Die Bücher sind im Allgemeinen bereits für achtjährige geeignet, allerdings denke ich bei diesem komplexen Thema eher an 14jährige und Ältere, aber auch Erwachsene werden darin viel Neues entdecken. Dazu kann das Buch hervorragend auch als Nachschlagewerk dienen, was durch die Chronik, das Glossar und das Register erleichtert wird.

Die ältesten jemals auf der Erde existierenden Einzeller sind mindestens 3,5-3,8 Milliarden Jahre alt, und seit dieser Zeit wirken auch die Kräfte der Evolution. Das blieb jedoch lange Zeit unbekannt. Stattdessen können wir von vielen Kulturen und ihren Mythen lesen, de erklärten, wie die Erde, das Leben und letztlich auch wir Menschen entstanden sind. Bei uns im christlichen Europa war dies die Bibel mit ihrer Schöpfungsgeschichte. Die zu hinterfragen, war seinerzeit nicht opportun, doch schließlich verlor sie an Glaubwürdigkeit: Frühe Fossiliensammler waren nicht mehr überzeugt, dass versteinerte Meerestiere durch die Sintflut ins Gebirge verfrachtet wurden. Auch erst kürzlich entstandene Katastrophentheorien wurden verworfen, ebenso die Vorstellung, dass versteinerte Tiere, nur weil von Gott erschaffen, bisher unerkannt irgendwo überlebt haben. Es wurde immer wahrscheinlicher, dass fast alle versteinerten Arten gar nicht mehr existieren und ausgestorben sind.

Das Buch folgt jedoch nicht in chronologischer Art und Weise der Entwicklung des Lebens. Es hält sich nicht mit einzelnen Fossilien oder Tierarten auf, sondern beschäftigt sich vor allem mit den letzten 150 Jahren, in denen Darwins Evolutionstheorie heranreifte. Es geht um Befürworter und Gegner, vor allem aber um grundsätzliche Zusammenhänge, letztlich auch um Forschungsreisen von Wallace und vor allem von Darwin selbst, die dabei gesammelten Artefakte und die Schlussfolgerungen der beiden, die unabhängig voneinander erkannten, dass alles Leben und alle gegenwärtig vorkommenden Arten auf gemeinsame Ursprünge zurückzuführen sind. Zwar lässt sich das anhand paläontologischer Funde allein nicht ohne weiteres beweisen: Immerhin sind 99% aller jemals auf unserer Erde lebender Arten mittlerweile ausgestorben, doch die vergleichende Anatomie lebender Tierarten lässt keine andere Schlussfolgerung zu. Hunderte von Wissenschaftlern haben in der Zwischenzeit seine Theorie lediglich hier und da ein wenig verfeinert, während ihre Grundzüge immer wieder bestätigt wurden. Selbst die modernen molekularen Stammbäume der Genforschung passen dazu einwandfrei ins Bild, ebenso wie die Kladogramme Willi Hennings aus den 1950er Jahren, das sind spezielle Stammbaumdarstellungen, die neben den  äußeren Merkmalen auch die jeweiligen genetischen Eigenschaften berücksichtigen und damit die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen lebenden und ausgestorbenen Lebewesen aufzeigen. Alle für die Evolution wichtigen Wirkungsmechanismen werden, wenn auch in Kurzfassung, hervorragend in dem Buch dargestellt. Dadurch ergibt sich eine sehr bereichernde Lektüre!

Wolfgang Freihen, im Februar 2013

Linda Gamlin:
Evolution
Band 50 der „memo“-Buchreihe „Wissen entdecken“
Harter Einband mit farbigem Titelbild, Format ca. 22,5 x 29 cm
72 S. mit sehr vielen Abb. und einem Riesenposter
Dorling Kindersley Verl., München, 2011
ISBN 978-3-8310-1900-7
Preis: 9,95 Euro