Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima

Es ist kein Tauch- oder UW-Buch, das ich dieses Mal vorstelle, sondern ein Umweltbuch, das sich mit dem Klimawandel auseinandersetzt – eines der bemerkenswertesten Bücher zu diesem Thema überhaupt. Ich kann es nicht warm genug empfehlen, denn dieses Thema betrifft jeden einzelnen von uns, und zwar weltweit! Wichtig dabei, dass dieser Wandel durch die Verbrennung fossiler Energieträger und das dabei anfallende CO2 hervorgerufen wird. Ohne Zweifel ist der Klimawandel damit anthropogener Natur, wird durch uns selbst verursacht, und deshalb können wir ihm auch nur selbst entgegenwirken, indem wir den weiteren ungebremsten CO2-Austoß durch entsprechende Maßnahmen unterbinden. Sollten wir das nicht schaffen, wird sich unser Leben, wie wir es heute kennen, total verändern, und der Klimawandel wird sich zur größten Herausforderung entwickeln, der sich die Menschheit je gegenübergesehen hat.

Fünf Jahre hat die Autorin für die Ausarbeitung dieses Buches benötigt. Herausgekommen ist ein umfangreiches Werk, in dem die Zusammenhänge hervorragend dargestellt werden. Auch die Verknüpfungen der Fossilindustrie (Kohle, Erdöl und Erdgas) mit anderen Wirtschaftszweigen, der Politik und unserer Art zu leben werden deutlich. Um diese gewaltige Sisyphusarbeit überhaupt bewerkstelligen zu können, waren mehrere Mitarbeiter/innen erforderlich. Einen Eindruck davon bietet schon ein Blick ins Literaturverzeichnis, das an die 100 Seiten umfasst und nicht nur Hinweise auf wichtige Bücher enthält, sondern in dem – da besonders aktuell – auch  Einzelbeiträge aus überregionalen Zeitungen, wissenschaftlichen Zeitschriften und ähnliche Publikationen aufgeführt sind. Außerdem arbeitete Naomi Klein mit mehreren Universitäten und Forschungsstationen zusammen, sodass selbst neueste Erkenntnisse aus den verschiedensten Wissenschaftsbereichen mit einfließen konnten. Die einzelnen Kapitel wurden vor Drucklegung nochmals von verschieden Professoren gegengelesen, sodass wir hier ein Buch in Händen halten, das sich umfassend mit der ganzen damit verbundenen Themenvielfalt auseinandersetzt. Dabei wird auch deutlich, dass der Klimawandel nicht nur auf unsere Atmosphäre beschränkt ist und das Wettergeschehen beeinflusst,  sondern durch die Versauerung der Meere, durch ihre Erwärmung, das Ausgasen von Methanhydraten und das Ansteigen der Meeresspiegel auch immense Auswirkungen auf unsere Ozeane hat, was wiederum enorme, nicht gewollte Rückwirkungen auf unseren menschlichen Lebensraum und unser Leben verursacht.
Natürlich gibt es noch immer zahlreiche, die den Klimawandel nach wie vor leugnen und selbst die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu negieren – eine mächtige Allianz, die vor allem aus Vertretern der Fossilindustrie und deren Verbündeten besteht. Auch auf deren Argumente geht die Autorin im Detail ein. Dass von dort keine Hilfe zu erwarten ist, ist nur allzu verständlich: Schließlich ist sehr viel Geld im Spiel, und so ist die Fossilindustrie bestrebt, diese Pfründe nicht versiegen zu lassen. Das nämlich würde bedeuten, die Förderung fossiler Energieträger immer stärker einzuschränken, was denn in Wirklichkeit die mit Abstand wichtigste Methode darstellen würde, der Klimaerwärmung wirkungsvoll zu begegnen. Gegenwärtig ist jedoch noch das Gegenteil der Fall: So werden immer extremere und gefährlichere Förderwege eingeschlagen. Anzuführen sind da vor allem Tiefseebohrungen, solche in der Arktis und das Fracking. Die Autorin belegt das sehr eindringlich anhand tatsächlicher Gegebenheiten und den dabei entstandenen Unfällen von erschreckendem Ausmaß. Es geht also darum, fossile Energieträger möglichst in der Erde zu belassen und stattdessen auf erneuerbare Energien zu umzusteigen – Techniken, die durchaus bereits verfügbar sind und die im Laufe der Zeit noch sehr viel effektiver werden. Ebenso enthält das Buch auch zahlreiche Hinweise auf die Macht indigener Völker, und wie jeder einzelne von uns dazu beitragen kann, dieser Misere entgegenzuwirken.
Eines freilich kommt mir in diesem Buch zu kurz, was allerdings für die die Gelassenheit spricht, mit der viele bei uns heutzutage diesem Thema nach wie vor begegnen: Gemeint ist, was es heißt, den Temperaturanstieg auf 2 °C bis zum nächsten Jahrhundertwechsel begrenzen zu wollen. Das erscheint nämlich vielen dermaßen gering, dass sie der Überzeugung sind, dies müsse ohne weiteres verkraftbar sein. Ist es aber nicht. Vergessen wird dabei, dass diese 2 °C nicht etwa hier vor Ort gemeint sind, sondern einen globalen Mittelwert darstellen, nach dessen Überschreitung eine Rückkehr zu heutigen Klimagegebenheiten möglicherweise selbst nach mehreren Jahrhunderten nicht mehr gewährleistet ist. Dann wird sich das Leben unserer Kinder und Kindeskinder grundlegend verändern, denn es werden weltweit Gegebenheiten heraufbeschworen, die wir uns heute kaum vorstellen können. Entscheidend dafür ist auch, dass der Klimawandel, in dem wir bereits mitten drin stecken, sich schleichend und im täglichen Einerlei fast unmerkbar vollzieht. Ebenso wird vielfach argumentiert, dass es solche Klimawechsel schon in früheren Jahrmillionen gegeben hat. Das ist sicher richtig, aber da waren wir Menschen noch nicht da, und es geht bei diesem Thema um nichts anderes als um unsere Zukunft! Dem heutigen, immerhin von uns selbst herbeigeführten Klimawandel sollten wir deshalb dringend weit mehr Aufmerksamkeit schenken als gegenwärtig, um auch zukünftigen Generationen ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Greifen Sie deshalb zu diesem aufrüttelnden Buch, lesen Sie es und informieren Sie sich selbst!

Wolfgang Freihen

Klein, Naomi:
Die Entscheidung
Kapitalismus vs. Klima
Harter Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 15 x 22 cm
699 Seiten
S. Fischger Verlag, Frankfurt am Main, 2015
ISBN 978-3-10-002231-8
Preis: 26,99 €