Adieu, Wachstum!: Das Ende einer Erfolgsgeschichte

Endlich ein Buch, auf das ich schon seit langem gewartet habe! Denn es ist kein Umweltbuch im üblichen Sinne, das sich „nur“ dem Klimaproblem widmet, sondern alle Krisen gleichermaßen anspricht, denen wir uns noch in diesem Jahrhundert dringend stellen müssen. Es ist ein Buch, das alle angeht. Norbert Nicoll, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen, der dort zur Nachhaltigen Entwicklung lehrt, zeichnet kein positives Bild unserer Zukunft. Er schildert gleichzeitig mehrere Geschichten, über deren Anfänge und wie diese bis in unsere Zukunft wirken. Alle verlaufen parallel zueinander, wirken teilweise aber auch zusammen und können alle Menschen dieser Erde an den Rand ihrer Existenz bringen. Glücklicherweise sind wir noch nicht so weit und wir können auch einiges dagegen tun: Ob wir allerdings unser Verhalten tatsächlich so grundlegend wie erforderlich verändern, steht in den Sternen: Nun, das 21. Jahrhundert wird es zeigen… Wenn dem nicht so ist, werden sich nachfolgende Generationen fragen, wieso wir die Zukunft so total verschlafen konnten! Man wird unsere Welt von heute und die unserer Politiker mit ganz anderen Augen sehen!
Das Buch bringt uns Fakten aus Ökologie, Ökonomie und Soziologie genauso nahe, wie solche der Geologie, den Geschichts- und Politikwissenschaften. Es birgt eine reichhaltige, kritische Darstellung des Kapitalismus, der immer mehr will und auf ständige Zuwachsraten setzt. Aber diese Vorstellung muss ganz einfach zugrunde gehen! Es kann nicht ewig so weitergehen wie bisher, und es führt auch zu nichts, auf zukünftige Innovationen hoffen, die dann möglicherweise ausbleiben. So zeichnet der Autor eine eindrucksvolle Negativbilanz von Umweltzerstörung, Ressourcenverbrauch und sozialer Spaltung. Unser Denken muss wieder bodenständiger werden! Es geht auch nicht an, dass weiterhin nur ein kleiner Teil das Maximum des Kapitals für sich allein in Anspruch nimmt. Für die Ernährung zählt nur das, was nachwachsen kann. Wir haben nur diese eine Erde! Wir müssen deshalb lernen, dass Kohle und Öl, aber auch alle anderen Ressourcen endlicher Natur sind. Ebenso müssen wir lernen, nicht weiter auf Kosten anderer zu leben. Die Demokratie und unser freiheitliches Denken werden wohl bleiben, allerdings anders als wir sie heute kennen. Wir müssen lernen, mit anderen Kulturen besser zusammenzuleben, denn wir alle sind Bürger dieser, unserer einzigen Welt… Dafür müssen wir die Klima- und die Energiekrise, die sich schon bald sehr viel stärker zeigen werden, ebenso meistern wie die weltweite Atomkrise. Unsere Wegwerfgesellschaft muss sich ändern, und das größte Artensterben ist auszubremsen, das die Erde je erlebt hat. Wir müssen lernen, mit steigenden Temperaturen, dem Problem des Trinkwassers, denen der (Ur)Wälder, der Fruchtbarkeit der Böden und dem Steigen des Meeresspiegels zurechtzukommen, auch mit der Überfischung der Meere und dem Plastikmüllproblem. Die Ozeane, die ¾ unserer Erdoberfläche ausmachen, spielen also eine ganz besondere Rolle. Das einzige Problem, mit dem ich absolut nicht einverstanden bin, ist das des Bevölkerungszuwachses auf unserer Erde: Je mehr Menschen, desto schneller und desto stärker werden sich alle anderen Krisen auswirken und desto mehr Lebensräume werden vernichtet. Dabei gilt es, alle Krisen möglichst bald zu lösen – in der Tat, absolut keine Kleinigkeit!!
Insgesamt ein großartiges Buch, das uns eine nachhaltige Entwicklung lehren kann, das möglichst viele lesen sollten, auch wenn das kleine Schriftbild den einen oder anderen dabei stören mag. Ebenso wäre Stichwortverzeichnis am Ende des Buches sehr sinnvoll gewesen.

Wolfgang Freihen, im Januar 2017

Norbert Nicoll:
Adieu, Wachstum!
Das Ende einer Erfolgsgeschichte
Broschiert mit ausfaltbarem, farbigem Titel, Format ca. 15,8×22,5 cm
431 S. mit einigen Abb.
Tectum Verlag, Marburg, 2016
ISBN 978-3-8288-3736-2
Preis: 18,95 €