Quallen: Von der Faszination einer verkannten Lebensform

Einer der bedeutendsten, deutschen Zoologen, Ernst Haeckel, veröffentlichte schon ab 1879 eine großartige, mehrbändige und großformatige Monographie mit phantastischen Zeichnungen über „Das System der Medusen“. Mittlerweile sind viele neue Arten zu diesen glibberigen Tieren hinzugekommen. Man weiß auch mehr darüber, und doch setzt man sich erst in neuerer Zeit näher damit auseinander. Nur der kleinste Teil davon, nämlich 50 der faszinierendsten Arten werden in diesem Buch vorgestellt, wobei nicht nur Medusen und Staatsquallen beschrieben werden, sondern auch andere nicht damit verwandt Arten, Rippenquallen etwa und auch die quallenähnlichen, im freien Wasser lebenden Salpen und deren Verwandtschaft. Sehr gewissenhaft und ausführlich setzt sich die Autorin in fünf längeren Kapiteln mit diesen Tieren auseinander: Der Anatomie, dem Lebenszyklus, der Taxonomie und Evolution, der Ökologie und allen möglichen Umweltfragen, wobei die einzelnen Kapitel und Unterkapitel jeweils über eine Doppelseite gehen, gefolgt von Artensteckbriefen, die von ganzseitigen, farbigen Fotos im Dunkelfeld begleitet werden. Quallen gehören zu den ältesten Niederen Tieren, die schon seit rund 500 Millionen Jahren durch die Meere schweben. Die meisten sind klein, einige kleiner als ein Sandkorn, andere nur im Millimeter- oder Zentimeterbereich, dazu durchsichtig. Nur verhältnismäßig wenige faszinieren UW-Fotografen, vor allem größere Arten, darunter solche, die Schirme bis zu drei Metern im Durchmesser messen, sehr schwer werden und 30 m lange Tentakel besitzen, oder die durch ihre Zeichnung auffallen. Die größte ist die Riesenstaatsqualle, die aus vielen einzelnen Organismen besteht und Tentakel über 50 m Länge besitzt. Quallen besiedeln sämtliche Meere, selbst das Süßwasser, auch kalte Meere und die Tiefsee. Vielfach leicht zerbrechlich, werden heute ganz besondere Fangmethoden angewandt. Manche Arten sind völlig ungefährlich, andere wie kleine Würfel- und Irukandjiquallen, die nicht nur nesseln können, sind gar in der Lage, Schwimmer und Badehungrige innerhalb kürzester Zeit zu töten. In Südostasien werden Quallen auch gegessen und gelten dort als knusprige Delikatesse mit Pfiff! Es sind äußerst faszinierende Tiere, wobei die unscheinbare, nur erbsengroße Qualle Turritopsis dohrnii gar unsterblich ist! Vor allem heute können Quallen teilweise in ungeheuren Schwärmen auftreten, ausgelöst durch den Klimawandel, die Versauerung der Meere, durch Überfischung, das Plastikmüllproblem, eingeleitete Chemikalien und andere Maßnahmen. Sie können damit zur allgemeinen Bedrohung werden, zu aufwändigen, technischen Störungen führen und sind gar in der Lage, ganze Lebensräume auf ein niedrigeres, biologisches Niveau zurück zu verwandeln. Damit können diese Tiere, denen man bisher nur geringe Bedeutung beigemessen hat, letztlich auch für uns Menschen gefährlich werden. Es wird Zeit, diesen Besonderheiten eine weit höhere Aufmerksamkeit zu schenken! Insgesamt ein Buch, das eigentlich nicht nur Taucher und Aquarianer, sondern einen jeden begeistern und zum Nachdenken anregen muss!

Wolfgang Freihen, im Oktober 2017

Gershwin, Lisa-ann:
Quallen
Von der Faszination einer verkannten Lebensform
Fester Einband mit farbigem Titelbild, Größe ca. 21,7 x 24,6 cm
224 S. mit vielen farbigen Abbildungen
Edition Delius im Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017
ISBN 978-3-667-11024-4
Preis: 29,90 €