Der nachhaltige Umgang mit unseren Meeren – von der Idee zur Strategie

Der vierte Teil von „Mit den Meeren leben“, einer Publikation über den Zustand der Ozeane, wobei jeweils der aktuelle Stand der Wissenschaft wiedergegeben wird. Es ist eine Kooperation der Kieler Wissenschaften, des „Ozean der Zukunft“, des „GEOMAR- Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel, des „International Ozean Institute“, das aus einem Netzwerk verschiedener Niederlassungen besteht und der Zeitschrift „mare“. Wie bei den Vorgängerausgaben ist auch dieser Band sehr sorgfältig und gewissenhaft ausgearbeitet. Es geht sogar so weit, dass sämtliche Institutionen und Behörden (einschließlich ihrer Abkürzungen) wiedergegeben werden – selbst wenn sie sich teilweise beim Meeresschutz gegenseitig behindern. Das Buch enthält vier umfangreiche Kapitel, danach eine kurze Zusammenfassung, ein Verzeichnis der Mitarbeiter, einen Index, ein Quellenverzeichnis und eines der verwendeten Abkürzungen. Die einzelnen Kapitel sind mit passenden Farbfotos, Graphiken, Tabellen und Landkarten versehen. Dabei werden auch besondere Leistungen und Gefahren in farbig unterlegten Infokästen zusammengefasst. Das Ganze ist systematisch gegliedert und reicht von den „Konzepten für eine bessere Welt“ zu dem, „Was das Meer zu leisten vermag“ und den politischen Schwierigkeiten, bis hin zu einer „Hoffnung für den Ozean“. Nicht gefallen hat mir lediglich die Abbildung auf S. 64, der Computeranimation eines Rotfeuerfisches aus dem Roten Meer. Meiner Meinung nach hätte man hier besser zu einer authentischen, nicht vervielfachten UW-Fotografie gegriffen, die zu der ansonsten fachlich außerordentlich sorgfältigen Ausarbeitung besser gepasst hätte… Insgesamt jedoch ein hervorragendes Buch, das jedem, dem die UW-Welt am Herzen liegt, unbedingt zu empfehlen ist. Sehr schön auch, dass das Buch kostenlos erhältlich ist.

Wolfgang Freihen, im Oktober 2017

World Ocean Review, Band Nr. 4:
Der nachhaltige Umgang mit unseren Meeren –
von der Idee zur Strategie
Broschiert mit farbigem Titel, Größe ca. 21,2 x 28 cm
152 S. mit vielen farbigen Abb., Karten, Graphiken und Tabellen
Herausgeber: maribus GmbH, Hamburg, mit anderen, 2015
ISBN 978-3-86648-254-4
Kostenlos

Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Band Nr. 3 von „Mit den Meeren leben“, einer Publikation über den Zustand der Meere, die in fast jährlichem Rhythmus erscheint und jeweils dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht. Es ist eine Publikation der Kieler Meereswissenschaften, dem „Ozean der Zukunft“, dem „GEOMAR“ des Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung, der Zeitschrift „mare“ und dem „International Ocean Institute“, das aus einem Netzwerk verschiedener Niederlassungen besteht. Auch dieser Band ist sehr sorgfältig ausgearbeitet und besteht aus 4 Kapiteln: „Öl und Gas aus dem Meer“, „Tagebau am Meeresgrund“, „Energie aus brennendem Eis“ und „Umweltschonende Förderung und gerechte Verteilung“, wobei die einzelnen Kapitel jeweils in einem Conclusio enden. Auch bei diesem Band werden die einzelnen Kapitel von farbigen Abbildungen, Graphiken, Tabellen und Landkarten begleitet. Das Buch ist so gehalten, dass auch Laien es gut lesen können. Wichtige Zusammenhänge werden in besonderen, farbig unterlegten Infokästen dargelegt, moderne Techniken werden ebenso vorgestellt wie auch katastrophale Unfälle. Der Anhang enthält ein Gesamt-Conclusio, ein Glossar, ein Verzeichnis verwendeter Abkürzungen, ebenso eines der mitarbeitenden Autoren, ein umfangreiches Quellenverzeichnis und natürlich auch einen Index zum Auffinden entsprechender Zusammenhänge. Insgesamt ein Buch, das sich wie seine Vorgänger durch seine besondere Sorgfalt auszeichnet. Äußerst empfehlenswert, wobei auch hier auf die kostenlose Lieferung hingewiesen werden muss.

Wolfgang Freihen, im Oktober 2017

World Ocean Review, Band Nr. 3:
Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken
Broschiert mit farbigem Titel, Größe ca. 21,2 x 28 cm
164 S. mit vielen farbigen Fotos, Graphiken, Landkarten und Tabellen
maribus in Kooperation mit anderen, Hamburg, 2014
ISBN 978-3-86648-220-3
Kostenlos

Quallen: Von der Faszination einer verkannten Lebensform

Einer der bedeutendsten, deutschen Zoologen, Ernst Haeckel, veröffentlichte schon ab 1879 eine großartige, mehrbändige und großformatige Monographie mit phantastischen Zeichnungen über „Das System der Medusen“. Mittlerweile sind viele neue Arten zu diesen glibberigen Tieren hinzugekommen. Man weiß auch mehr darüber, und doch setzt man sich erst in neuerer Zeit näher damit auseinander. Nur der kleinste Teil davon, nämlich 50 der faszinierendsten Arten werden in diesem Buch vorgestellt, wobei nicht nur Medusen und Staatsquallen beschrieben werden, sondern auch andere nicht damit verwandt Arten, Rippenquallen etwa und auch die quallenähnlichen, im freien Wasser lebenden Salpen und deren Verwandtschaft. Sehr gewissenhaft und ausführlich setzt sich die Autorin in fünf längeren Kapiteln mit diesen Tieren auseinander: Der Anatomie, dem Lebenszyklus, der Taxonomie und Evolution, der Ökologie und allen möglichen Umweltfragen, wobei die einzelnen Kapitel und Unterkapitel jeweils über eine Doppelseite gehen, gefolgt von Artensteckbriefen, die von ganzseitigen, farbigen Fotos im Dunkelfeld begleitet werden. Quallen gehören zu den ältesten Niederen Tieren, die schon seit rund 500 Millionen Jahren durch die Meere schweben. Die meisten sind klein, einige kleiner als ein Sandkorn, andere nur im Millimeter- oder Zentimeterbereich, dazu durchsichtig. Nur verhältnismäßig wenige faszinieren UW-Fotografen, vor allem größere Arten, darunter solche, die Schirme bis zu drei Metern im Durchmesser messen, sehr schwer werden und 30 m lange Tentakel besitzen, oder die durch ihre Zeichnung auffallen. Die größte ist die Riesenstaatsqualle, die aus vielen einzelnen Organismen besteht und Tentakel über 50 m Länge besitzt. Quallen besiedeln sämtliche Meere, selbst das Süßwasser, auch kalte Meere und die Tiefsee. Vielfach leicht zerbrechlich, werden heute ganz besondere Fangmethoden angewandt. Manche Arten sind völlig ungefährlich, andere wie kleine Würfel- und Irukandjiquallen, die nicht nur nesseln können, sind gar in der Lage, Schwimmer und Badehungrige innerhalb kürzester Zeit zu töten. In Südostasien werden Quallen auch gegessen und gelten dort als knusprige Delikatesse mit Pfiff! Es sind äußerst faszinierende Tiere, wobei die unscheinbare, nur erbsengroße Qualle Turritopsis dohrnii gar unsterblich ist! Vor allem heute können Quallen teilweise in ungeheuren Schwärmen auftreten, ausgelöst durch den Klimawandel, die Versauerung der Meere, durch Überfischung, das Plastikmüllproblem, eingeleitete Chemikalien und andere Maßnahmen. Sie können damit zur allgemeinen Bedrohung werden, zu aufwändigen, technischen Störungen führen und sind gar in der Lage, ganze Lebensräume auf ein niedrigeres, biologisches Niveau zurück zu verwandeln. Damit können diese Tiere, denen man bisher nur geringe Bedeutung beigemessen hat, letztlich auch für uns Menschen gefährlich werden. Es wird Zeit, diesen Besonderheiten eine weit höhere Aufmerksamkeit zu schenken! Insgesamt ein Buch, das eigentlich nicht nur Taucher und Aquarianer, sondern einen jeden begeistern und zum Nachdenken anregen muss!

Wolfgang Freihen, im Oktober 2017

Gershwin, Lisa-ann:
Quallen
Von der Faszination einer verkannten Lebensform
Fester Einband mit farbigem Titelbild, Größe ca. 21,7 x 24,6 cm
224 S. mit vielen farbigen Abbildungen
Edition Delius im Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017
ISBN 978-3-667-11024-4
Preis: 29,90 €

Der Ozean ist unsere Zukunft – Kieler Meeresforscher auf Zeitreise ins Jahr 2100

Ein sehr schönes Umweltbuch, ein Exzellenzcluster des Forschungsverbundes von über 250 Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, des GEOMAR, des Instituts für Weltwirtschaft und der Muthesius-Kunsthochschule. Sehr lesenswert mit sehr interessanten 17 Kapiteln und reizvollen Zeichnungen. Das Buch beschäftigt sich mit der Meinung verschiedener Meeresforscher und Meteorologen, wie unsere Umwelt voraussichtlich im Jahr 2100 aussehen wird. Es ist überwiegend positiv geschrieben, denn niemand möchte und kann sich vorstellen, dass wir einfach so weitermachen wie bisher. Allerdings haben sich in der Zwischenzeit, erst fünf Jahre nach Erscheinen des Buches, die Probleme nicht etwa verringert. Wir wissen auch, dass Deutschland und verschiedene andere Industrienationen ihre selbstgesteckten Klimaziele nicht erreichen werden. Auch anderes ist geschehen, was sich nicht gerade vorteilhaft anhört. Trotzdem ein Buch, das sehr lesenswert ist, da die Zusammenhänge und Widrigkeiten sehr gut erklärt werden. Sehr schön schließlich, dass das Buch kostenlos bestellt werden kann.

Wolfgang Freihen, im Oktober 2017

Christian-Albrechts-Universität:
Der Ozean ist unsere Zukunft
Kieler Meeresforscher auf Zeitreise ins Jahr 2100
Broschiert mit ausfaltbarem, farbigem Umschlag, Format ca. 20 x 24,5 cm
92 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen
Christian-Albrechts-Universität, Kiel, 2012 oder presse@ozean-der-zukunft.de
ISBN 978-3-00-036812-7
Kostenlos

Entdecke das Tauchen

Ein phantastisches Titelbild, ein gutes Layout und auch ausgezeichnete Bilder. Der Verlag hat alles getan, das Buch gut zu gestalten. Der Text dagegen lässt viel zu viel zu wünschen übrig… Auch ein Kinderbuch muss fehlerfrei sein und die Wortwahl darf keine Fehlinterpretation zulassen. Weiterhin sind bei einer derart großzügigen Buchgestaltung Wiederholungen möglichst zu vermeiden. Sie sind auch nicht notwendig, denn es gibt mehr als genug zu diesem Thema zu sagen. Als Autor muss man nur wissen, ob das Buch sich an solche Kinder wendet, die bereits ihren ersten Tauchschein machen dürfen oder noch nicht. Im letzteren Fall allerdings werden sie auch keinen Spaß daran haben…
Wenn das „Tauchen entdeckt“ werden soll, dann bitteschön, hat die Gesamtheit des Tauchens im Mittelpunkt zu stehen und im Wesentlichen nicht nur das Sporttauchen mit seiner heutigen Ausrüstung. Man will nicht nur wissen, wie früher getaucht wurde, sondern vor allem, wie der Übergang vom gehenden Helm- zum Schwimmtauchen erfolgt ist. Davon findet sich nichts. Bei der Schilderung fehlen weitere wesentliche Entwicklungsschritte, und die heutigen Möglichkeiten werden bei weitem nicht alle genannt. So fehlt je ein Kapitel über das Höhlen- und das Wracktauchen, die UW-Fotografie, das UW-Filmen- und andere Beschäftigungen mehr. Selbst das Nitrox- und Tech-Tauchen sind jeweils ein Kapitel wert, ebenso wie die UW-Archäologie und die verschiedenen Zweige des ganz normalen Berufstauchens, z.B. als Forschungstaucher oder bei der Polizei, als Rettungstaucher bei der DLRG usw. Die Übergänge sind teilweise fließend.
Nur in der gegebenen Form über das Apnoetauchen zu berichten, reicht nicht! Weder die einzelnen Apnoe-Arten, noch ungewöhnliche Spitzenleistungen werden herausgestellt, und was über das Schatztauchen gesagt wird, ist einfach lächerlich! Hier lassen sich ungeheure geborgene Werte vorstellen, ebenso wie spezielle Museen oder das Tauchen in Panzertauchgeräten und vieles mehr. Ein Kinder-Sachbuch muss doch nur so vor Spannung knistern und darf nicht langweilig wirken!
Ein Kind, das ein solches Buch geschenkt bekommt, kann also bereits mehr als nur lesen. Da ist es unbedingt nötig, an entsprechenden Stellen ein paar Mehrinformationen zu liefern. Der gesamte Schreibstil gefällt mir nicht und Verweise, wie etwas ausgesprochen wird, kann man sich schenken. Ebenso die ewigen Hinweise, einen ersten Tauchkurs durchzuführen zu müssen: Das ist natürlich Voraussetzung, denn sonst kann das Kind an den beschriebenen Unternehmungen nicht teilhaben, die Gerätschaften gar nicht verwenden… Das Buch verliert seinen Sinn. Steht jedoch der erste Tauchschein an, dann ist lediglich eine allgemeine Einführung notwendig, und alles Weitere bekommt es in diesem Kursus gesagt. Es erhält Lehrmaterial und kann sich zudem Notizen machen, muss eine Menge lernen, und am Ende steht eine anspruchsvolle Prüfung. Die Ausrüstung wird ihm zudem zur Verfügung gestellt. Wichtig wäre allerdings, wo man dies lernen kann und welche Tauchscheine und Sonderbrevets es insgesamt gibt. Doch dazu gibt es wieder keine Aussage…
Unschön sind schließlich gravierende Fehler. Hier nur die wichtigsten: Der Begriff „ABC-Ausrüstung“ orientiert sich nicht am Aussehen von Flossen, Maske und Schnorchel, sondern wurde schon sehr früh von Redakteur Peter Müller der 1. deutschen Tauchsportzeitschrift „Delphin“ (Nr.4, 1959) geprägt. Purer Unsinn der Vergleich eines Helmtauchanzuges mit einem Astronautenanzug. Da gibt es keine gegenseitigen Anleihen. Es gibt auch nicht nur „eine Art“ Rettungsweste, und auch an anderer Stelle gehört das „eine Art“ nicht dazu. Wer Madeira schließlich als „spanische“ Insel bezeichnet, macht sich auch an anderer Stelle unglaubwürdig! Da fehlt ganz einfach viel zu viel! Insgesamt ein Buch, nicht nach meinem Geschmack, das ich leider überhaupt nicht empfehlen kann!

Wolfgang Freihen, im Juli 2017

Rossow, Frank:
Entdecke das Tauchen
Harter Einband mit farbigem Titelbild, Größe etwa 20,5 x 28 cm
64 S. mit vielen farb. Abb.
Natur und Tier Verlag, Münster, 2017
ISBN 978-3-86659-287-2
Preis: 12,80 €

Mermaids: Kleines Handbuch für Meerjungfrauen und Nixen

Wie schon der Titel sagt, ist das Buch wohl eher für Mädchen als für Buben geeignet, obwohl auch diese angesprochen werden. Es geht um das Tauchen mit einer Monoflosse, die in einem wunderschön gestalteten Beinkleid getragen wird, bei dem auch eine Rückenflosse angenäht sein kann. Dieses Kostüm kann man selbst herstellen, aber auch fertig kaufen, und das z.T. zu erheblichen Preisen. Zumeist wird dazu keine Schwimmbrille getragen, zumindest dann nicht, wenn ein Fotoshooting ansteht. Die schönsten Bilder entstehen so in flachem Wasser, meist unmittelbar unter der Oberfläche im Schwimmbad oder an Land, auf einem Stein posierend in freier Natur. Um seinen Schwimmanzug nicht zu beschädigen, lässt am sich am besten ins Wasser tragen. Es gehört die entsprechende Schminke dazu, und zum Delfinstil braucht es natürlich auch ein wenig Übung. Die Grundlagen des Apnoetauchens werden somit genauso beschrieben wie der richtige Umgang mit dem Fischschwanz. Dazu gibt es spezielle Tipps und Tricks vom Profi. Sehr schön auch die Geschichten und Sagen über Wasserwesen und eine Auflistung von Mermaids in Film und TV. Das Ganze ist zauberhaft bebildert von Stephanie Naglschmid, und den Abschluss bilden Adressen und Links zu Meerjungfrauen-Schulen, zu Tauchsportverbänden, zu speziellen Läden mit Mermaid-Ausrüstungen und Fischschwänzen, zu darauf spezialisierten Fotografen usw. Ein allumfassendes Buch zu diesem Thema, sehr lebendig geschrieben, das man nur empfehlen kann.

Wolfgang Freihen, im Juli 2017.

Rodler, Daniela / Naglschmid, Stephanie:
Mermaids
Kleines Handbuch für Meerjungfrauen und Nixen
Broschiert mit farbigem Titel, Größe ca. 21 x 29,7 cm
95 S. mit vielen farbigen Zeichnungen14,9
Verlag Stephanie Naglschmid, Stuttgart, 2017
ISBN 978-3-89594-935-7
Preis: 14,90 €

Netzwerk Korallenriff: wertvoller als google, apple & Co

Der Untertitel schien mir anfänglich zu weit aufgetragen, aber beim Lesen stellt man schnell fest, ein ganz besonderes Buch vor sich zu haben. In der Tat ist es derzeit das umfassendste seiner Art! Der Autor geht wohl in seiner Betrachtungsweise sehr weit zurück und weist u.a. auf riesige Gebirgszüge hin, die im Laufe von Jahrmillionen durch die Arbeit kleiner Korallenpolypen entstanden sind. Damit wird klar, dass diese Tierchen weit umfangreichere Bauten errichtet haben als etwa wir Menschen. Aber noch etwas anderes wird deutlich: Bücher dieser Art, für die Allgemeinheit geschrieben, müssen ganz einfach umfassend sein. Nur so werden Facetten und Zusammenhänge sichtbar, die zuvor manchem verborgen geblieben sind. So wussten durchaus auch andere Autoren Bescheid über die Gebirgsbildung, aber ihre Bücher setzten anders an: Sie berichten über ein bestimmtes Gebiet, dort vorkommende Riffe und deren heutiges Aussehen. Hier aber geht es um die Korallen ganz allgemein, ihre Bedeutung, ihren gegenwärtigen, gefährdeten Zustand und um deren Zukunft. Dabei werden tropische und subtropische Flachwasserriffe ebenso angesprochen, die uns Tauchsportler begeistern, wobei die meisten allerdings noch nicht einmal zwischen früher, vor etwa 50 oder mehr Jahren und heute unterscheiden können. Vielmehr geht es auch um Tiefseeriffe, die man vor wenigen Jahren noch überhaupt nicht kannte, und die auf ganz andere Weise ebenso weltumspannend existieren. Sie allesamt werden durch die Meeresversauerung, die Klimaerwärmung und viele andere menschliche Eingriffe ebenso bedroht, wie durch zunehmend sich stärker auswirkende Naturkatastrophen. Dadurch nehmen sie gewaltig ab. Dabei sind Riffe nicht nur für den Küstenschutz auch in Zukunft äußerst wichtig, sondern sie können auch mit dem allmählich ansteigenden Meeresspiegel weiter nach oben wachsen.
Korallenriffe lösen mit derartigen Möglichkeiten den Urwald als wichtigstem Lebensraum ab. Wo andere nur wenige Worte brauchen, benötigt der Autor über 30 Seiten, um allein die komplexen Lebensmöglichkeiten der Polypen zu beschreiben. Dabei geht er auch auf deren Fortpflanzung ein, die in verschiedenen Ozeanen zu unterschiedlichen Zeiten stattfindet, ebenso auf die Zooxanthellen, die mit Steinkorallen in Symbiose leben – der wohl großartigste Schritt beim Recycling überhaupt! Gleichzeitig zeigt er das außerordentlich enge Wärmeprofil auf, in dem diese Pflänzchen leben können, und er weist auf über 40 Arten hin, die teilweise auch höhere Temperaturen vertragen. Damit wird ein Hoffnungsschimmer gesetzt, Riffe auch bei steigenden Temperaturen am Leben zu erhalten. Die Akteure müssen „nur“ rechtzeitig zusammenfinden, um ihr Leben nicht während der Korallenbleiche zu verlieren. Ebenso beschreibt er ganze Riffe, für die die Bezeichnung Netzwerk besonders gut gewählt ist. Schließlich haben wir es nicht nur mit Steinkorallen, sondern auch mit Schwämmen, Leder- und Hornkorallen zu tun, auch mit Pflanzen und vielen verschiedenen Rifffischen und Räubern, mit Krebsen, Weichtieren und anderen mehr, die allesamt abwandern, wenn Riffe tatsächlich verschwinden sollten. Wir nehmen Teil bei einem Blick in das Herz der Evolution und können nur hoffen, dass die Korallenriffe letztlich doch überleben werden. Der Autor folgt neuesten Forschungsergebnissen, berichtet über wichtige Medikamente aus den Riffen, und doch vermisste ich einiges: So berichtete nicht nur Darwin über Atolle, sondern z.B. wurde Hans Hass in den Malediven zu einer weiteren Theorie veranlasst, die durchaus ihre Berechtigung hat. Auch der Beitrag über von Gleichstrom durchflossene Baustahlgeflechte zum Nachwachsen ist mir etwas zu kurz. Trotzdem ein Buch, das man nur empfehlen kann!

Wolfgang Freihen, im Juli 2017

Krimmer, Heinz:
Netzwerk Korallenriff
Wertvoller als Google, Apple und Co.
Broschiert mit ausfaltbarem Einband. Innen mit Karte der „normalen“ und Tiefseekorallenriffe, Einband mit farbigem Titel, Größe ca. 13,7 x 21,5 cm
224 S. u. zahlreichen Bildern auf Tafeln
Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, 2017
ISBN 978-3-440-15447-2
Preis: 19,99 €

Meeresatlas: Daten und Fakten über unseren Umgang mit den Ozeanen

Verschiedene Institute, die sich intensiv mit der Meeresforschung auseinandersetzen, haben hier mit der Heinrich-Böll-Stiftung zusammengearbeitet, um dieses Buch – ja, eigentlich müsste man eher sagen – dieses Heft herauszubringen. Es hat DIN A4- Format, und würde es als normales Buch erscheinen, dann wären es deutlich über 100 Seiten. Aber man kann es umsonst erwerben, und da sollte man nicht über Buch oder Heft streiten. Jedenfalls lohnt sich die Anschaffung sehr. Man kann es auch im Internet herunterladen. Der Untertitel lässt ahnen, um was es im Einzelnen geht. Wir gehen nämlich nicht gerade ordentlich mit unseren Ozeanen um, und die meisten machen sich kaum Vorstellungen, was da so alles geschieht. Sicher – die Ozeane sind für die meisten von uns weit weg, und da macht man sich weniger Gedanken. Dabei wäre es sehr angebracht, denn derzeit werden die Meere regelrecht ausgeplündert und wir benutzen sie über Gebühr als Abfalleimer. Dabei stellen sie eigentlich die Lebensgrundlage einer wachsenden Weltbevölkerung dar: Um die Mitte dieses Jahrhunderts werden wir immerhin schon 10 Millionen Menschen sein! Und wie soll das weitergehen?? Dabei gibt es derzeit noch immer keine oberste internationale Behörde, die für den Schutz des gesamten Meeres verantwortlich ist. Die Industrialisierung der Ozeane steht gerade erst am Anfang: Das Bohren nach Erdöl und Erdgas wird umso gefährlicher, je weiter wir nach unten gehen, und obwohl viele Geheimnisse der Tiefsee noch unerforscht sind, soll bereits mit dem Tiefseebergbau begonnen werden. So werden möglicherweise Ökosysteme vernichtet, bevor wir sie kennen gelernt haben. Der Welthunger nach Rohstoffen lässt uns nach Manganknollen, Kobaltkrusten und Schwarzen Rauchern greifen. Wir befinden uns inmitten einer ungeheuren Herausforderung: Einem Klimawandel, der schon jetzt für viele lebensbedrohlich ist. Zwar dämpfen derzeit die Meere diese Gefahr, doch ungeheure Flüchtlingsströme, unter denen wir schon heute leiden, werden nicht nur durch den Krieg in Syrien ausgelöst. Trockenzonen, unter denen die Ärmsten am stärksten leiden, breiten sich aus und zwingen zur Migration. Das gleiche wird geschehen, wenn die Meeresspiegel weiter ansteigen: Immerhin leben schon heute die meisten Menschen in 200 km Küstennähe. Trotzdem werden weiterhin Mangrovensümpfe abgeholzt, damit der Küstenschutz gefährdet. Die Meerestemperatur erhöht sich, Riffe sterben ab, kalkbildende Tiere verlieren lebenswichtige Grundlagen. Das Meer versauert ständig weiter, Überfischung ist längst an der Tagesordnung, die Mikronahrung leidet unter der Versauerung, Fischfarmen und andere Aquakulturen sind ebenfalls noch immer nicht problemlos, Todeszonen entstehen im Mündungsgebiet vieler Flüsse. Durch Staumauern findet in gleichen Gebieten keine ausreichende Sedimentation statt. Müll und Gift landet im Meer, ungeheure Plastikmengen sammeln sich in riesigen subtropischen Wirbeln, und am Mikroplastikproblem gehen nicht nur Vögel zugrunde. In der Tat – wir leben inmitten einer Meereskrise, die ungeheure Probleme aufwirft und allmählich immer stärker in den Blickpunkt rückt. Das Heft beschäftigt sich mit all diesen Krisen und setzt sich mit der Zukunft auseinander, zeigt auch, welchen Einfluss Welthandel und Preiskampf bieten. Die Welt muss gemeinsam handeln, um all diese Probleme gemeinsam zu meistern, und wir alle haben unseren Einfluss dabei geltend zu machen! Packen wir es an!

Wolfgang Freihen, im Juni 2017

Heinrich-Böll-Stiftung:
Meeresatlas
Daten und Fakten über unseren Umgang mit den Ozeanen
Broschiert mit sw. Titelbild, Format DIN A4
50 S. mit sehr vielen farbigen Abb.
Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, 2017
Preis: Kostenlos,
der Text auch abrufbar unter http://creativecommons.org/licenses/by/40/de/legalcode

Klima und Mensch – eine 12’000-jährige Geschichte

Jeder, der mehr übers tägliche Wetter und (über 30 Jahre gestreckt) unser Klima erfahren möchte, kommt um dieses Buch nicht herum! Das gilt vor allem angesichts der unabsehbaren Folgen der gegenwärtigen Klimaerwärmung: Versauerung der Meere, Anstieg des Meeresspiegels, dem Kunststoff-Müll- und Mikroplastikproblem, dem Artenschwund und vielem anderen mehr, was unsere nachfolgenden Generationen ganz besonders heftig beschäftigen wird. Heinz Wanner, emeritierter Professor und engagierter Klimaforscher der Universität Bern, Ehrendoktor der Universität Berlin und Inhaber des inoffiziellen Nobelpreises für Geografie, beschreibt in mehreren Teilen die unterschiedlichen Faktoren, die ihren besonderen Einfluss auf das Wetter- und Klimageschehen geltend machen. Da spielt nicht nur die Sonneneinstrahlung eine besondere Rolle, die Schiefe der Ekliptik oder die Umlaufbahn um unser Zentralgestirn, sondern es kommen sehr viele andere Faktoren hinzu, die ebenfalls zu berücksichtigen sind. Es sind auch nicht nur Eiszeiten oder Monsune, El Niños und deren Gegenspieler, sondern teilweise machen selbst geringfügigste Veränderungen ihren Einfluss geltend. Da sind vor allem die Meere, denen wir uns mit diesen Rezensionen besonders verbunden fühlen und die zeigen, wie eng teilweise auseinander liegende Gebiete miteinander verzahnt sind. Es sind deren enorme Oberfläche, die darin gespeicherten Wassermassen, die Eisschilde von Arktis und Antarktis und das globale Zirkulationsnetz aller Meeresströmungen. Ebenso spielt die Atmosphäre eine besondere Rolle, auch die Geographie der Festländer mit den sich ausdehnenden Wüstengebieten, schrumpfenden Urwäldern und hohen Gebirgen. Da wirken sich bedeutende Vulkanausbrüche besonders auf das Wetter und Klima aus, oder es kommen all die anderen, hier nicht besonders herausgehobenen Faktoren hinzu, schließlich auch der von uns Menschen gemachte, anthropogene, zusätzlich erhöhte CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Virtuos greift der Autor alle möglichen, teilweise unter schwierigsten Bedingungen gesammelten Messdaten auf, die im Buch wiedergegeben werden und von vielen Forschern zusammengetragen wurden – beeindruckende Abbildungen! Der Autor „jongliert“ regelrecht mit damit, um die komplizierten Zusammenhänge deutlich zu machen und ein besseres Verständnis für Wetter und Klima zu erzeugen. So entsteht durch Zusammenfügen aller Messkurven eine äußerst wechselvolle Klimageschichte der letzten 12.000 Jahre. Besonders interessierte Leser finden zudem zusätzliche Lehrkästen. Nicht immer lässt sich – vor allem für Nichtmeteorologen – der Text einfach lesen. Zum Teil ist es auch angebracht, ein wenig hin und her zu blättern, um die einzelnen Wechselfälle einwandfrei zu verstehen. Dass das Klimageschehen auch das Verhalten der Menschen, ja ganzer Kulturen beeinflusst, ist ebenso selbstverständlich. Das gilt vor allem bei ausbleibenden Regenfällen und länger währende Trockenzeiten. So werden das Verlassen ganzer Gegenden, Völkerwanderungen und andere Verschiebungen verständlich. „Normale“ Kriege bleiben dagegen unbehandelt. Insgesamt ein außerordentlich interessantes Buch, das nur empfohlen werden kann!

Wolfgang Freihen, im Juni 2017

Wanner, Heinz:
Klima und Mensch
Eine 12‘000-jährige Geschichte
Fester Einband mit farbigen Titelfotos, Format etwa 18 x 24,5 cm
274 S. mit vielen farb. Abb.
Haupt Verl., Bern, 2016
ISBN 978-3-258-07879-3
Preis: 39,90 €

Lusitania

Zur Besprechung legte ich dieses Buch immer wieder zur Seite und zog andere vor, obwohl diese erst später zur Rezension eingereicht wurden. Warum war das wohl so? Nun, es lag ganz einfach am Schutzumschlag, der mich zu sehr an ein Jugendbuch erinnerte, obwohl die Gestaltung einem durchaus ernst zu nehmendem Plakat aus dem Jahr 1915 nachempfunden wurde. In der Originalgröße mag dieses Plakat auch sehr viel besser gewirkt haben als der bedeutend kleinere Schutzumschlag mit seinem diagonal aufgedruckten Titel heutzutage. Dieser Umstand mag sich auch auf die Verkaufszahlen negativ ausgewirkt haben… So jedenfalls wirkte das Ganze einfach „billig“ auf mich, ohne dies tatsächlich zu wollen: Nach der jetzt erfolgten Lektüre ist allerdings zu sehen, dass wir es in Wirklichkeit mit einem großartigen und ernsthaften Sachbuch zu tun haben, wie es kaum besser ausgearbeitet werden kann! Das Buch beschäftigt sich mit der Geschichte der „Lusitania“ und ihrem Untergang am 7. Mai 1915 vor der Küste Schottlands, wo das Schiff nur wenige Minuten nach einem deutschen Torpedotreffer unterging und rund 1200 unschuldige Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, in den Tod riss. Darüber hinaus setzt es sich mit der Unsinnigkeit von Kriegen im Allgemeinen auseinander, aber auch mit unserer deutschen Geschichte vom 1. bis zum 2. Weltkrieg und darüber hinaus, teilweise sogar bis zum heutigen Tag. Beeindruckend die ungeheure Fülle an historischen Dokumenten, Zeitungsartikeln, Büchern und all der weiterführenden Literatur, die es vom Autor für dieses Geschichtswerk durchzuarbeiten galt! So ist ein großartiges Sachbuch entstanden, das jedem, nicht nur Tauchern und an der UW-Archäologie Interessierten zu empfehlen ist, die heutzutage an der Atlantikküste ins kalte Wasser steigen, um zum Wrack hinunter zu gelangen. Ein Icoon am Anfang des Buches weist auf zusätzliche Informationen im Internet zu diesem Thema hin. Äußerst empfehlenswert!

Wolfgang Freihen, Mai 2017

Jasper, Willi:
Lusitania
Kulturgeschichte einer Katastrophe
Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 14,5 x 22 cm
208 S. mit vielen sw. Abb.
be.bra verlag, Berlin-Brandenburg, 2015
ISBN 978-3-89809-112-1
Preis: 19.95 €